Schachfigur
Standpunkt

Gegen die Überhöhung von Bischöfen – und anderen Amtsträgern

Bischöfe und andere kirchliche Amtsträger überhöhen sich selbst – oder sie werden von den Gläubigen überhöht. Warum das schädlich ist und was sich hier in der Kirche ändern muss, schreibt Tobias Glenz im Kommentar.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 04.12.2020

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Wie wohltuend diese Worte doch sind: "Bei Licht besehen ist auch der Leithammel nur ein Schaf", schrieb Magdeburgs Bischof Gerhard Feige jüngst in einem Gastbeitrag und wendet sich damit gegen eine Überhöhung des Bischofsamts in der Kirche. Ein solcher Satz aus der Feder eines Oberhirten signalisiert: Hier nimmt sich einer selbst nicht zu wichtig, hier hat jemand seinen Dienst verstanden – ein Bischof ist immer Teil des Gottesvolkes, einer von vielen, wenngleich mit Leitungs- und Lehraufgaben betraut, Hirte und Diener, doch eines nie: ein Herrscher über seine "Schafe". Leider dürfte längst nicht jeder Oberhirte dieses Selbstverständnis teilen.

Dass Bischöfe, dass kirchliche Amtsträger überhaupt nie nur Lichtgestalten sein können, weil sie immer Menschen und damit fehlbar sind, hat sich in der jüngeren Vergangenheit an zahlreichen Beispielen gezeigt: Die Missbrauchsstudien in verschiedenen deutschen Bistümern offenbarten zuletzt ein eklatantes Fehlverhalten seitens früherer Bischöfe; Bischöfe, die von den Gläubigen geschätzt, teils verehrt wurden. Auch heiliggesprochene Päpste oder hochverehrte Gründergestalten innerhalb der Kirche sind nicht davor gefeit, dass sich im Nachhinein dunkle Schatten über ihr Wirken legen können.

Doch hier zeigt sich die doppelte Problematik: Eine Überhöhung des Bischofsamts geht nicht zwingend von "oben", also vom Oberhirten selbst aus – auch von "unten", von den Gläubigen werden kirchliche Amtsträger mitunter zu etwas "Höherem" stilisiert, das sie nicht sind. Wer etwa durch ein Bischofswort eine genaue Anleitung für sein Glaubensleben erwartet, der trägt schon zu einer Überhöhung bei; stattdessen geht es hier doch um Hilfestellung für einen selbstreflektierten Glauben. Es muss aber nicht zwingend der überhöhte Bischof sein, sondern es kann schon beim "Herrn Pfarrer" beginnen. Dass ein Zusammenspiel aus beidem – der Überhöhung von oben und von unten – nur schädlich sein kann, liegt auf der Hand. Stichwort: Machtmissbrauch.

Was also muss sich ändern in der Kirche? Schluss mit der Überhöhung von oben, Schluss mit einem "Ja und Amen" von unten. Die Bischöfe, die Amtsträger brauchen in ihrem Wirken kein Abnicken, keine Verehrung durch die "Laien", sondern deren Mithilfe und konstruktive Kritik. Das setzt eine Akzeptanz auf beiden Seiten voraus. In Deutschland macht hier die katholische Kirche auf ihrem Synodalen Weg die ersten richtigen Schritte.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

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