Schachfigur
Standpunkt

Keine Kirche der gequälten Kinder und gemordeten Seelen mehr

Sexualisierte Gewalt innerhalb der katholischen Kirche ist massiv und systematisch, beobachtet Gudrun Lux. Weiterhin schwiegen viele, sie hört von viel Resignation. Lux fordert für diese Art von Kirche ein klares Vorgehen.

Von Gudrun Lux |  Bonn - 14.12.2020

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"Die Zeit rückt näher, wo man sich fragen lassen muss, ob Nicht-Austreten zu rechtfertigen ist." Der nüchterne traurige Satz eines von Jugend an engagierten Katholiken nach den jüngsten Berichten aus Speyer. Systematische sexualisierte Gewalt, Misshandlungen, Vergewaltigungen. Selbst wer schon seit einem Jahrzehnt viel gehört und gelesen hat, was in dieser Kirche möglich ist, spürt körperliche Übelkeit, Verzweiflung, Wut.

"Ich halte es nicht mehr aus", schreibe ich einem befreundeten Ordensmann, und er antwortet: "Manchmal würde ich auch gerne alles hinschmeißen." Es sind wohl viele, denen es so geht. In Köln, heißt es, seien im März erst wieder Termine zu bekommen, um den Kirchenaustritt persönlich zu erklären.

Währenddessen werden munter Ansprachen über Gaudete ("Freut Euch!") und das anstehende Weihnachtsfest gehalten. Über die Geburt eines Kindes im Stall zu predigen – wer kann sich angesichts der erschütternden Berichte und Enthüllungen vorstellen, dass das in dieser Kirche von diesen Bischöfen und Kardinälen glaubwürdig geschehen kann?

Zu viele schweigen weiter, können sich nicht erinnern, wussten von nichts. Und überhaupt, sagen sie, das ist doch schon lange her. Und überhaupt, sagen sie, die Gnade Gottes wirke auch durch eine beschmutzte Hand. Und überhaupt, sagen sie, wir machen doch schon so viel. A bissl mehr geht scho noch, aber so aufregen müsste man sich doch nicht.

Die Namen derer, die den zentralen Missbrauchstäter von Speyer als Generalvikar und Offizial eingesetzt und im Amt gehalten haben, sind bekannt. Haben sie alle nichts gewusst, von dem jahrelangen systematischen Verbrechen? Auch nicht ein ehemaliger Bischof von Speyer und späterer Münchner Kardinal, der sich stets mit großer Vehemenz "für das ungeborene Leben" einsetzte, während das geborene Leben in seinem direkten Umfeld vor die Hunde ging? Und dem dazu auch heute kein Wort über die Lippen kommt?

Gequälte Kinder. Gemordete Seelen. Diese katholische Kirche mit ihren Geheimbünden, ihrer verkommenen Doppelmoral, ihren Abgründen, die systematisch und systemimmanent Menschen erniedrigt, misshandelt, zum Objekt sexueller Perversion degradiert – diese Kirche muss zerschlagen werden.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist Stadträtin in München, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Synodalversammlung des Synodalen Weges. Von dieser wurde sie in das Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" entsandt.

Hinweis

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