Bischof Meier: Staatsregierung hat Kirchen überrumpelt
Debatte um Christmetten angesichts der Ausgangssperre in Bayern

Bischof Meier: Staatsregierung hat Kirchen überrumpelt

"Eine stabile Brücke zwischen Staat und Kirche, die durch Krisen trägt, stelle ich mir anders vor": Augsburgs Bischof Bertram Meier übt deutliche Kritik an der Forderung der bayerischen Staatsregierung nach einer Vorverlegung der Christmetten an Heiligabend.

Augsburg/München/Würzburg - 15.12.2020

Augsburgs Bischof Bertram Meier hat die Forderung der bayerischen Staatsregierung nach einer Vorverlegung der Christmetten an Heiligabend kritisiert. "Wir wurden von der neuen Entwicklung förmlich überrumpelt", teilte Meier am Dienstag mit. "Eine stabile Brücke zwischen Staat und Kirche, die durch Krisen trägt, stelle ich mir anders vor." Er bedaure "die neuen Rahmenbedingungen sehr". Weiter erklärte Meier: "Das Virus kennt keine Uhrzeit. Deshalb wurden in vielen, gerade kleinen Gemeinden unserer Diözese zahlreiche Gottesdienste und Christmetten hintereinander geplant, um die Besucherzahlen zu entflechten und mit dieser Entzerrung die Feiernden zu schützen."

Gleichwohl bat der Bischof die Seelsorger und Gläubigen, "trotz des Schmerzes" die Gottesdienste an Heiligabend so zu feiern, dass die Menschen vor 21 Uhr wieder daheim sein könnten. Die ursprünglich für 23:30 Uhr geplante Christmette im Augsburger Dom wird nun bereits um 19 Uhr beginnen, wie es hieß. Meier sagte: "Als Kirche(n) setzen wir damit ein Zeichen der Solidarität, weisen aber auch darauf hin, dass es eine Gesundheit der Seele gibt, für die an Weihnachten vornehmlich die Christen einen wichtigen Beitrag leisten wollen. Diese Rolle wollen wir uns auch von staatlichen Autoritäten nicht nehmen lassen."

Im Freistaat gilt Corona-bedingt von 21 bis 5 Uhr eine Ausgangssperre. Bisher hatte es geheißen, Besucher von Christmetten sollten davon ausgenommen sein. Am Montag aber forderte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU), auch Gottesdienstbesucher sollten bis 21 Uhr wieder daheim sein. Die katholische und die evangelische Kirche reagierten am Dienstag in unterschiedlicher Weise darauf. Die sieben katholischen Diözesanbischöfe baten in einer gemeinsamen Erklärung "dringend" darum, "dass diese schmerzhafte Entscheidung der Ausgangssperre an Heiligabend eine einzige Ausnahme erfahren kann". Der evangelische Landeskirchenrat sprach von einem "schmerzlichen Eingriff" und sagte alle zu später Stunde geplanten Christmetten und Vespern ab.

Marx: Ausgangssperre für Kirche "sehr schmerzhaft"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte zuvor verhalten auf das Drängen der bayerischen Staatsregierung reagiert, die Christmetten vorzuverlegen. "Wir sind bisher davon ausgegangen, dass die Weihnachtsgottesdienste von der Ausgangssperre ausgenommen sind und unter den Bedingungen der erarbeiteten strikten Infektionsschutzkonzepte mit Anmeldeverfahren für die Teilnahme wie geplant stattfinden können", erklärte Marx am Montagabend auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Von der Ankündigung, dass die Ausgangssperre ab 21 Uhr auch für den Besuch der Christmetten gelten solle, sei man überrascht worden.

Immerhin stellten die Metten die zentralen gottesdienstlichen Feiern des Weihnachtsfestes dar und zählten damit zum Kern der Religionsausübung, so der Erzbischof von München und Freising. "Wir haben unseren Wunsch immer deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der Besuch der Christmetten unter Einhaltung unserer strengen Schutzmaßnahmen möglich gemacht werden sollte, und hoffen, dass die laufenden Gespräche und Beratungen im Landtag noch zu dem Ergebnis führen werden." Die Ausgangssperre ab 21 Uhr am Heiligen Abend "wäre für uns sehr schmerzhaft".

Unterdessen wurden die Christmetten in der Diözese Würzburg nach Aussage von Generalvikar Jürgen Vorndran alle zeitlich vorverlegt, damit die Besucher bis spätestens 21 Uhr zu Hause sein können. "Wir nehmen als Bistum Würzburg unsere Verantwortung in Corona-Zeiten wahr und halten uns sehr genau an staatliche Vorgaben", erklärte Vorndran am Montagabend auf der Facebook-Seite des Bistums.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer führte in einer Predigt vor Mitarbeitern aus, die Bischöfe hätten angeboten, alle Vorkehrungen zu treffen, dass die Erlaubnis nicht unterlaufen würde. So könnten fälschungssichere Bescheinigungen (namentlich ausgestellt und mit Siegel des jeweiligen Pfarramts versehen) ausgehändigt werden. Bei ihm im Bistum gelte seit Monaten das Motto: "Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen." Im Oktober hatte Voderholzer in einem Brief Söder und allen politischen Entscheidungsträgern seine Anerkennung für ihr Handeln in der Krise ausgesprochen. Damals sicherte er ihm auch ein "Höchstmaß an Verantwortung und Solidarität der Kirchen" zu. (tmg/KNA)

15.12., 19:30 Uhr: Ergänzt um Voderholzer. /rom