Mannsein Jesu gehöre zur konkreten Offenbarungsgestalt der Inkarnation

Tück: Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe "angemessen"

Aktualisiert am 28.12.2020  –  Lesedauer: 

Freiburg/Berlin ‐ Können Frauen zu Priesterinnen geweiht werden? Der Dogmatiker Jan-Heiner Tück spricht sich in dieser Frage für eine "heilsame Desillusionierung" aus – und verweist auf den Zusammenhang zwischen Menschwerdung Gottes und der Bundesgeschichte Israels.

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Der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück plädiert in der Debatte um die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe für eine "heilsame Desillusionierung". Die Frage sei "aus Sicht des römischen Lehramts für die ganze Kirche bereits entschieden", schreibt Tück in der "Herder Korrespondenz" (Januar-Ausgabe). Die Inkarnation des Wortes Gottes habe sich "konkret im Mann und Juden Jesus von Nazareth" ereignet. Darum sei die "sakramentale Repräsentation Christi durch männliche Priester" in der Messfeier "nach wie vor angemessen".

Die jüngst wiederholt vorgebrachte These, Gottes Wort sei Mensch, aber nicht Mann geworden, vernachlässige die heilsökonomischen Zusammenhänge zwischen Altem und Neuem Bund, so Tück weiter. "Sie steht in Gefahr, die Inkarnation auf ein abstraktes Prinzip zurückzunehmen, als spiele die geschlechtliche Identität des Erlösers überhaupt keine Rolle". Mit der Relativierung des Mannseins Jesu werde zudem sein Judesein marginalisiert, unterstreicht der Dogmatiker. Die Selbstmitteilung Gottes in der Menschwerdung erfolge vor dem Hintergrund der Bundesgeschichte mit Israel und sei davon nicht ablösbar. Daher sei es "müßig", über "wünschbare Alternativen zur faktisch ergangenen Heilsgeschichte" nachzudenken.

Bild: ©Privat

Jan-Heiner Tück ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Wien.

Dass die "Mann- und Judewerdung" Jesu zur konkreten Offenbarungsgestalt der Menschwerdung Gottes gehöre, bedeute jedoch nicht, dass jeder Priester auch beschnittener Jude sein müsse, schreibt Tück: "Das Mannsein gehört zur Dimension der Schöpfung, das Jude- und Beschnittensein zur Dimension des Bundes und der Zugehörigkeit zum Volk Israel." In Christus sei die Differenz zwischen Beschnittenen und Unbeschnittenen aufgehoben. "Das puer natus est nobis et filius datus est nobis (Jes 9,5) [Ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt; Anm. d. Red.] aber ist der konkrete Modus, in dem sich die Menschwerdung Gottes 'für uns und zu unserem Heil' vollzogen hat", so der Theologe.

Die Einführung der Frauenweihe sei zudem mit Blick auf die Kirchen des Ostens "mit ökumenischen Problemen belastet" und besäße "nicht geringes schismatisches Potenzial in der katholischen Kirche selbst", so Tück. Universalkirchlich gesehen gebe es "eine Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Mentalitäten sowie eine "höchst unterschiedliche Vitalität des Glaubens". Die aufblühenden Kirchen in Afrika und Asien hätten für die Forderung nach Frauenordination wenig Verständnis und würden sie eventuell als "westlichen Kulturimperialismus" zurückweisen. Allerdings steckten hinter dieser Ablehnung oft nicht nur theologische Gründe, sondern auch gesellschaftliche Formen von Patriarchalismus und Misogynie. "Das sollte nicht verharmlost werden", schreibt Tück.

"Konflikt zweier Denkformen"

Die Debatte über die Priesterweihe von Frauen sei "letztlich ein Konflikt zweier Denkformen", resümiert Tück: Der "Logik funktionaler Gleichstellung" stelle der Theologie die "Logik sakramentaler Repräsentation" gegenüber, die "für das Selbstverständnis der katholischen Kirche leitend" sei. In einer Gesellschaft, in der funktionale Denkweisen vorherrschten und die Gleichberechtigung von Frauen in allen Lebensbereichen "zurecht angezielt" werde, sei das "zweifelsohne schwer vermittelbar". Doch das könnte für katholische Theologie ein Anstoß sein, das "weithin geschwächte Sensorium für sakramentales Denken" neu zu stärken, betont Tück. Statt sich immer wieder an der Frauenordination abzuarbeiten, wäre es aussichtsreicher, Frauen alle Spielräume in der katholischen Kirche zu eröffnen, in denen sie ihr "vielfältiges und unverzichtbares" Charisma "viel entschiedener als bisher" einbringen können.

Ähnlich wie Tück hatte zuletzt auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer argumentiert. Biblische Zeugnisse und die Liturgie der Kirche ließen keinen Zweifel "an der konkreten Menschheit Jesu als männliches Wesen", sagte Voderholzer in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag in Regensburg. Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen gingen davon aus, dass zur Repräsentation Christi, des Hauptes der Kirche, von seiner natürlichen Zeichenhaftigkeit her das männliche Geschlecht gehöre, so Voderholzer. (mal)