Adveniat in Not: "Wir werden Projekte kürzen müssen"
Kirchliche Hilfswerke: Schwieriges Spendenjahr 2020

Adveniat in Not: "Wir werden Projekte kürzen müssen"

In vielen Regionen verschärft die Corona-Pandemie die Armut der Menschen. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil der Spendengelder wegfällt, wie es etwa bei Adveniat der Fall ist. Dagegen erwartet Misereor Spendeneinnahmen auf gleichbleibendem Niveau.

Essen/Aachen - 28.12.2020

Im Corona-Jahr 2020 fallen die Spendenergebnisse für kirchliche Entwicklungsorganisationen unterschiedlich aus. Während Adveniat weniger Geld für seine Initiativen in Lateinamerika zur Verfügung hat, erwartet Misereor Spendeneinnahmen auf etwa gleichbleibendem Niveau.

"Wir werden Projekte kürzen müssen", sagte Adveniat-Chef Michael Heinz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag in Essen. "Das ist schmerzhaft, schließlich schlägt die Corona-Pandemie gerade in Lateinamerika mit voller Wucht zu." Um die Fehlbeträge auszugleichen, wolle die Organisation geplante Investitionen aufschieben und frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzen.

Viele Weihnachtsgottesdienste fielen wegen Corona aus

Laut Heinz unterstützte Adveniat im Jahr 2019 knapp 2.000 Projekte in Lateinamerika und in der Karibik mit rund 35,4 Millionen Euro. Gewöhnlich wird an Weihnachten in den Gottesdiensten für die Organisation gesammelt. Im vergangenen Jahr machte die Weihnachtskollekte mit 23,3 Millionen Euro beinahe die Hälfte der Gesamteinnahmen aus. Wegen der Pandemie fielen in diesem Jahr aber viele Weihnachtsgottesdienste aus oder fanden nur mit wenigen Teilnehmern statt. "Wir befürchten einen Rückgang um mehr als 50 Prozent", sagte Heinz. Zwar spende der einzelne im Schnitt mehr. "Aber diese Steigerungen werden die zu erwartenden Verluste bei weitem nicht wettmachen."

Anders als andere Hilfswerke, wie etwa Misereor, sei Adveniat deutlich abhängiger von der Kollekte, so der Hauptgeschäftsführer. Demnach finanzieren Spendengelder – darunter die Weihnachtskollekte – Adveniat insgesamt zu 95 Prozent. Weniger als 3 Prozent der Gesamteinnahmen kommen von Kirche und Staat. Laut Heinz haben einige Bistümer bereits zusätzliche Gelder überwiesen. "Dies blieb jedoch bisher im niedrigen sechsstelligen Bereich."

Misereor erwartet Spendenniveau auf etwa gleichem Niveau wie 2019

Demgegenüber erwartet das Bischöfliche Hilfswerk Misereor für 2020 Spendeneinnahmen auf etwa gleichem Niveau wie 2019, also rund 57 Millionen Euro. "Das gute Spendenergebnis verdanken wir der starken innerkirchlichen Solidarität", erklärte der zuständige Referent auf KNA-Anfrage. Unter anderem habe es im September eine Corona-Sonderkollekte für die Organisation mit Sitz in Aachen gegeben. Auch die Bistümer und die Deutsche Bischofskonferenz hätten das Hilfswerk unterstützt.

Üblicherweise wird am fünften Fastensonntag in den Kirchen für Misereor gesammelt. Der fiel in diesem Jahr in die Zeit der coronabedingten Kontaktbeschränkungen im Frühjahr, als bundesweit die Gottesdienste ausfielen. Bei dieser Fastenkollekte erzielte das Hilfswerk 7,5 Millionen Euro und damit 2,5 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die Aktion macht aber ohnehin nur einen kleinen Teil der Gesamteinnahmen aus. So kamen im Jahr 2019 gut 70 Prozent der insgesamt 232,3 Millionen Euro an Einnahmen aus öffentlichen Mitteln. (KNA)