So funktioniert in der Pandemie die Haussegnung zum Dreikönigsfest
Sternsinger können wegen Corona nicht vorbeikommen

So funktioniert in der Pandemie die Haussegnung zum Dreikönigsfest

Es ist rund um das Dreikönigsfest ein Ritual, auf das sich Menschen in ganz Deutschland freuen: Die Sternsinger kommen, sammeln für den guten Zweck und segnen dafür die Häuser und Wohnungen. Dieses Jahr macht Corona einen Strich durch die Rechnung. Doch es gibt Möglichkeiten für einen Ersatz.

Von Fabian Brand |  Bonn - 03.01.2021

Wenn es in den ersten Tagen des neuen Jahres an der Haustür läutet, stehen die Chancen normalerweise nicht schlecht, dass es eine Gruppe von jungen Menschen ist, die draußen auf den Einlass ins Haus wartet. Das Sternsingen ist längst zur Tradition geworden und für viele Menschen ist es ein schönes Brauchtum, wenn die Kinder den Segen des menschgewordenen Gottes in die Häuser bringen. Dabei haben die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, eine doppelte Aufgabe: Einerseits nehmen sie die Haussegnung vor, die traditionell um den 6. Januar herum vollzogen wird. Und anderseits bitten sie die Menschen um eine Gabe für Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Kinder gehen für Kinder auf die Straße; die Sternsinger engagieren sich alljährlich dafür, dass Kindern, denen es nicht so gut geht, Hilfe bekommen.

In diesem Jahr 2021 wird es anders aussehen: Aufgrund der anhaltenden Pandemie wurden zwar im Vorfeld viele kreative Ideen entwickelt, wie das Sternsingen trotzdem stattfinden kann. Dennoch wurde die Aktion aufgrund des Lockdowns von offizieller Seite abgesagt, um unnötige Kontakte zu verhindern und keinerlei Risiko im Blick auf die Verbreitung des Virus einzugehen. Doch damit entfällt nicht nur ein wichtiges Ritual, das den Anfang eines neuen Jahres prägt. Es stellt sich auch die Frage, wie kann das, was die Sternsinger normalerweise leisten, in der eigenen Familie vollzogen werden. Das betrifft zum einen die Haussegnung, die von den Sternsingern vorgenommen wird. Aber es lenkt auch den Blick auf den wohltätigen Zweck, für den die Sternsinger auf die Straße gehen. Da die Haussammlung ausfällt, droht die Gefahr, dass dringend benötigte Spendengelder ausbleiben. Dass die Kinder, die im Fokus der Sternsingeraktion stehen, vergessen werden, ist eine negative Folge der Corona-Pandemie, die im vergangenen Jahr bereits viele Hilfsaktionen getroffen hat.

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Aktion Dreikönigssingen: "Segen bringen, Segen sein. Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit!" (Kirche in Bayern - das ökumenische Fernsehmagazin, Ausgabe 03.01.2021)

Zunächst wird es auch am Anfang dieses Jahres Möglichkeiten geben, um Kindern in Not Hilfe zukommen zu lassen. Bei der Sternsingeraktion stehen 2021 Kinder in der Ukraine im Mittelpunkt, deren Eltern im Ausland arbeiten. Wie und wo es möglich ist, für diese Kinder zu spenden, erfährt man am einfachsten über die eigene Pfarrei. Mancherorts werden vielleicht Überweisungsträger ausgeteilt, mit deren Hilfe man das Geld direkt auf das Konto der Sternsingeraktion überweisen kann. Andernorts wird es eine Spendenbox in der Kirche geben. Letztendlich werden die Pfarreien sicherlich rechtzeitig über das Vorgehen informieren, sodass jeder die Chance erhält, die gewohnte Spende für die Sternsinger auch in diesem Jahr tätigen zu können. Es ist wichtig, dass man sich auf diese andere Form der Geldgabe einlässt, damit dringend benötigte Hilfsmittel nicht wegbrechen und Kindern in der Ukraine unsere Solidarität zuteilwird. Das Corona-Virus lässt die vielfältige Not in unserer Welt nicht verschwinden – es verschärft sie teilweise sogar noch. Umso wichtiger ist es, dass Spendengaben nicht ausbleiben, auch wenn die traditionelle Sammelaktion in diesem Jahr nicht möglich sein wird. Auch über die Homepage des Hilfswerks selbst ist das Spenden möglich.

Doch die Sternsinger sammeln nicht nur Spenden für notleidende Kinder, sie bringen auch den Segen des menschgewordenen Gottes in die Wohnungen und Häuser der Menschen. Meistens tragen die Sternsinger Weihrauch mit sich: Zeichen dafür, dass alles Böse und Schlechte vertrieben wird und dass ein neuer Duft in die Häuser einzieht. Weihrauch ist auch ein Hinweis auf das Heilige: Im Gottesdienst werden die Gegenstände mit Weihrauch geehrt, die Christus repräsentieren. Die Wohnungen der Menschen werden unter den Segen des Heiligen gestellt, der Duft des Weihrauchs ist ein Symbol dafür. Dann schreiben die Sternsinger einen Segenswunsch über die Türen der Häuser: 20*C+M+B+21. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Abkürzung als lateinischer Segenswunsch gedeutet: "Christus mansionem benedicat – Christus möge dieses Haus segnen". Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Abkürzung nichts anderes, als "Caspar, Melchior, Balthasar" bedeutet und auf die traditionellen Namen der drei Sterndeuter hinweist.

Es könnte ein alter Namenssegen sein, da den Namen der drei Könige seit alters her viele magische Kräfte zugesprochen wurden. Wenn die Namen der Könige über die Haustüren geschrieben werden, dann heißt das: Das Böse wird gewissermaßen schon an der Tür abgewehrt, es traut sich gar nicht in das Haus hinein. Ein Gedanke, der vor allem in einer alten Vorstellung vom Kampf des Guten gegen das Böse verhaftet ist. Heute lässt sich der Segensspruch vielleicht so verstehen: Wo die Sternsinger über die Türen geschrieben haben, dort hat der Weihnachtsfriede Einzug gehalten; dort wohnen Menschen, die unter dem Schutz und Segen des menschgewordenen Gottes stehen. Das ist eine Zusage, aber auch immer wieder ein Auftrag, an den die Kreideschrift das ganze Jahr über erinnert.

Die Haussegnung am Dreikönigstag vorzunehmen, geht dieses Jahr ausnahmsweise auch ohne Sternsinger. Es ist eine Feier, die man auch im Familienkreis durchführen kann. Gerade in früheren Zeiten, als es die Sternsingeraktion noch nicht gegeben hat, wurde die Haussegnung am 06. Januar traditionell von den Familien begangen. Und bis heute ist es mancherorts üblich, während der zwölf heiligen Nächte zwischen Weihnachten und dem Epiphaniefest mit Weihrauch und Weihwasser durch die Zimmer der Häuser zu ziehen. Ein uraltes Brauchtum, das sich bis heute in der Haussegnung am Dreikönigstag bewahrt hat.

In diesem Jahr, in dem die Sternsinger nicht kommen, kann sich die Familie am 06. Januar zu einer kleinen Andacht versammeln. Hierzu bereitet man eine glühende Kohle vor, die man in einem feuerfesten Gefäß, zum Beispiel einer Tonschüssel mit Quarzsand, mit sich durchs Haus tragen kann. Außerdem hält man einige Körner Weihrauch sowie Weihwasser und ein Stück Kreide bereit. Die Feier lässt sich mit einer kleinen Andacht beginnen, die man am Christbaum und an der Krippe halten kann.

Als Sternsinger verkleidete Kinder reden mit dem Papst

Wenn nicht gerade Pandemie ist, besuchen die Sternsinger sogar den Papst.

Das neue Gotteslob bietet für diesen Anlass leider kein eigenes Modell, aber leicht lässt sich die Feier am Heiligen Abend (im Gotteslob unter der Nummer 26) anpassen: Anstelle des Weihnachtsevangeliums nach Lukas liest man die Geschichte von der Anbetung der Sterndeuter aus Matthäus 2,1-12. Außerdem finden sich unter den Nummern 259 bis 262 passende Lieder für die Andacht. Am Ende des kurzen Gottesdienstes legt man Weihrauch auf die glühende Kohle und zieht damit gemeinsam zur Haustüre. Dort schreibt man mit der Kreide den Segensspruch auf den Türsturz. Hierzu kann man den Wunsch "Christus segne unser Haus und alle die da gehen ein und aus" sprechen. Wenn man möchte, kann man anschließend durch die einzelnen Zimmer des Hauses ziehen, den Duft des Weihrauchs durch das Haus tragen und mit einigen Tropfen Weihwasser das Haus segnen. Dazu betet man zum Beispiel das "Vater unser" oder das "Gegrüßet seist du, Maria" oder man singt einige bekannte Weihnachtslieder, in welche die Familienmitglieder auswendig einstimmen können.

Mit einfachen Hilfsmitteln lässt sich so die Haussegnung auch ohne den Besuch der Sternsinger begehen. Vielleicht kann das auch eine Chance sein, um die Bedeutung der Haussegnung für die Familie neu zu entdecken und um gemeinsam den Dreikönigstag in einer besonderen Weise zu begehen. Dass in diesen Zeiten der Corona-Pandemie vieles anders ist, eröffnet sicher auch die Möglichkeiten, manches neu zu entdecken und anders zu begehen, als das in den Vorjahren der Fall war. Sicher ist es eine schöne Geste, gerade die Haussegnung bewusst im Familienkreis zu begehen – immerhin sind es die Wohnräume, die von den Familienmitgliedern gemeinsam belebt werden, die man in diesen Tagen unter den Schutz des menschgewordenen Gottes stellt.

Von Fabian Brand