Jakobsweg: Massiver Einbruch der Pilgerzahlen in 2020
Im Vorjahr waren die Zahlen mehr als sechs Mal so hoch

Jakobsweg: Massiver Einbruch der Pilgerzahlen in 2020

Der in den letzten Jahren immer weiter steigenden Zahl von Pilgern auf dem Jakobsweg hat die Corona-Pandemie ein jähes Ende gesetzt. Dass die Zahlen in der Jahresstatistik derart deutlich sind, dürfte jedoch auch die Organisatoren überraschen.

Pamplona/Santiago de Compostela - 14.01.2021

Die Corona-Epidemie hat zu einem gravierenden Rückgang der Pilgerzahlen auf dem Jakobsweg geführt. Laut Jahresstatistik des Pilgerbüros im nordspanischen Santiago de Compostela trafen 2020 insgesamt 53.893 Jakobspilger ein und erhielten ihre Urkunde. 2019 waren es noch 347.578 gewesen, darunter 26.167 Deutsche; deren Zahl fiel im abgelaufenen Jahr auf 2.325.

Auf einen normalen Jahresbeginn 2020 folgte ein Lockdown des Jakobswegs von Mitte März bis Ende Juni. Der Neustart im Sommer verlief aus Sicht der Organisatoren zunächst zufriedenstellend. Gegen Jahresende gingen die Pilgerzahlen durch Corona-bedingte regionale Gebietssperrungen abermals stark zurück. Im Dezember kamen nur noch 99 Pilger im nordspanischen Santiago de Compostela an.

Schwache Zahlen setzen sich fort

Die schwachen Zahlen setzen sich momentan im "Heiligen Jakobusjahr" 2021 fort. Santiago mit dem Apostelgrab des Jakobus in der Kathedrale ist nur schwer erreichbar. Gegenwärtig kommen täglich nur zwei bis drei Pilger an. Da die Region Kastilien-Leon, durch die fast 300 Kilometer der Hauptroute des Jakobswegs führen, stark abgeschottet ist, gibt es dort keinen nennenswerten Pilgerverkehr mehr. Das Coronavirus hat dem Massenphänomen des Jakobspilgerns somit vorläufig ein Ende gesetzt. Die eigentliche Pilgersaison beginnt allerdings erst zu Ostern. Dann wollen viele Herbergen wieder öffnen.

Papst Franziskus hat das "Heilige Jakobusjahr" 2021 wegen der Pandemie bis 2022 verlängert. Diese Sonderjahre fußen auf einem päpstlichen Privileg aus dem 12. Jahrhundert; sie stehen immer dann an, wenn der Gedenktag des Apostels Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt.

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem "heiligen Ort", an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten. Die Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich neben Rom und Jerusalem im Mittelalter zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser "europäischen Kulturbewegung" eingesetzt, wie die vor Corona immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. (tmg/KNA)