Atomwaffenverbotsvertrag der UNO tritt am Freitag in Kraft

Deutsche Bischöfe loben Verbot von Kernwaffen und mahnen Atommächte

Aktualisiert am 20.01.2021  –  Lesedauer: 

Berlin/Vatikanstadt ‐ "Kein Konfliktgeschehen kann in unseren Augen jemals den Einsatz von Kernwaffen legitimieren", mahnen die Bischöfe Heiner Wilmer und Peter Kohlgraf. Umso mehr begrüßen sie das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags. Auch der Papst äußerte sich.

  • Teilen:

Die deutschen Bischöfe begrüßen das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags der UNO am Freitag. "All jene Staaten, die den Vertrag nicht nur unterzeichnet, sondern auch ratifiziert haben, geben uns ein leuchtendes Beispiel dafür, dass wir uns niemals mit vermeintlich unverrückbaren Gegebenheiten abfinden sollten", erklärten der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Hildesheims Bischof Heiner Wilmer, und der Präsident der Deutschen Sektion Pax Christi, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, am Mittwoch in Berlin.

Die sogenannte nukleare Abschreckung, die seit über 60 Jahren eine vermeintliche Sicherheit suggeriere, baue auf dem "unvorstellbaren Vernichtungspotenzial von Nuklearwaffen auf", so die Bischöfe. "Kein Konfliktgeschehen kann in unseren Augen jemals den Einsatz von Kernwaffen legitimieren." Ausdrücklich unterstützen Wilmer und Kohlgraf die Botschaft von Papst Franziskus, dass nicht nur der Einsatz, sondern bereits der Besitz solcher Waffensysteme unethisch sei.

Die Bischöfe riefen alle Staaten, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet oder ratifiziert haben, insbesondere die Atommächte, dazu auf, dem Vertrag beizutreten und die Doktrin der nuklearen Abschreckung zu überdenken. "Der gerechte Friede erwächst nicht aus der Furcht vor der totalen Zerstörung, sondern aus den Samen des Dialogs und des Miteinanders."

Papst Franziskus lobt Atomwaffenverbotsvertrag

er Papst bekräftigte noch einmal sein Engagement für eine atomwaffenfreie Welt. In seiner wöchentlichen Videoansprache am Mittwoch forderte Franziskus erneut eine Abschaffung nuklearer Arsenale. "Der Einsatz von Atomwaffen hat zerstörerische Wirkung", so das Kirchenoberhaupt. Er treffe in kurzer Zeit viele Menschen und schädige langfristig die Umwelt. Alle Staaten seien aufgerufen, auf solche Mittel zu verzichten. Der Papst lobte den Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) als wichtigen Schritt. Es sei das erste rechtsverbindliche internationale Instrument, das Atomwaffen ausdrücklich verbiete. Das Abkommen war im Sommer 2017 von 122 Staaten bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet worden. Mehr als 80 Länder haben es bisher unterzeichnet, darunter auch der Heilige Stuhl als eigenes Völkerrechtssubjekt. Deutschland zählt nicht dazu.

Bereits auf einem Vatikan-Symposium 2017 hatte der Papst nukleare Abschreckung als ethisch nicht mehr vertretbar bezeichnet und damit die katholische Lehre gegenüber Positionen aus dem Kalten Krieg verschärft. Bei einem Besuch im japanischen Hiroshima im November 2019 verurteilte er schon den Besitz von Kernwaffen als "unmoralisch". In seiner im Oktober veröffentlichten Enzyklika "Fratelli tutti" verlangte Franziskus die vollkommene Abschaffung von Atomwaffen als "moralische und humanitäre Pflicht". Die eingesparten Rüstungsausgaben sollten in einen Weltfonds fließen, "um dem Hunger ein für alle Mal ein Ende zu setzen und die Entwicklung der ärmsten Länder zu fördern".

Unterdessen signalisierte der neue US-Präsident Joe Biden laut Medienberichten (Mittwoch), das am 5. Februar endende New-Start-Abkommen mit Russland verlängern zu wollen. Die Übereinkunft enthält eine Begrenzung der Nuklear-Arsenale beider Länder. Bisher konnte keine Einigkeit über eine Verlängerung erzielt werden. (tmg/KNA)