"Wollte die katholische Kirche am Maßstab des Evangeliums messen und erneuern"

Bischof Meier: Vertraue darauf, dass Luther im ewigen Leben ist

Aktualisiert am 22.01.2021  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Die Reformation brachte die Spaltung der westlichen Christenheit. Kam Martin Luther deswegen womöglich in die Hölle? Nein, sagt Augsburgs Bischof Bertram Meier – und spricht über "sehr viele positive Seiten" des Reformators.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier sieht den Reformator Martin Luther (1483-1546) nicht in der Hölle. Er "vertraue darauf, dass auch Martin Luther im ewigen Leben ist", sagte Meier der "Augsburger Allgemeinen" in einem am Donnerstag online veröffentlichten Interview. Luther habe sehr viele positive Seiten und wichtige Anliegen in die Kirchen- und Menschheitsgeschichte gebracht. "Er wollte die katholische Kirche am Maßstab des Evangeliums messen und erneuern", so der Bischof.

Meier ergänzte: "Vieles wäre in der heutigen katholischen Kirche nicht möglich, manches hätte nie Eingang gefunden, wenn nicht Luther an ihrer Tür angeklopft hätte - manchmal leise und manchmal laut, mitunter auch polternd." Weiter sagte Meier: "Evangelisch sein ist nicht wie die Erbsünde zu behandeln. Es ist nicht so, dass ich ein negatives Prägemal habe, weil ich evangelisch getauft bin." Dies wisse er von seinem evangelischen Vater, betonte Meier.

Bannbulle heute "gegenstandslos"

Vor 500 Jahren hatte Papst Leo X. Luther mit der Bannbulle "Decret Romanum Ponficem" aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, nachdem dieser seine Thesen nicht widerrufen wollte. Stimmen, die jüngst eine Aufhebung der Exkommunikation forderten, erteilte Meier, der der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern vorsteht, erneut eine Absage. Er sei "fest davon überzeugt, dass die Bannbulle eine Momentaufnahme von 1521 ist, die mit Luthers Tod 1546 gegenstandslos geworden ist", erklärte Meier. "Kirchliche Symbolpolitik ist zu wenig. Kirchliche Realpolitik bedeutet, das Anliegen Luthers aufzugreifen, nämlich eine Erneuerung der Kirche zu bewirken."

Zum Thema Mahlgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten sagte Meier: "Im Moment sind wir nicht so weit, die Einladung der evangelischen Kirche zum Abendmahl reziprok aussprechen zu können." Dazu habe die vatikanische Glaubenskongregation eine klare Ansage gemacht. "Aber so wenig wir explizit einladen, so wenig werden wir explizit ausladen."

Im September war eine Absage des Vatikan an eine Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten bekannt geworden: Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien "noch so gewichtig", dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der je anderen Konfession derzeit ausschlössen. Hintergrund der Debatte ist ein Papier des Ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK) vom Herbst 2019. Demnach ist die wechselseitige Teilnahme an Eucharistie/Abendmahl "theologisch begründet". Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Gerhard Feige, sagte kürzlich, er halte die Debatte trotz der Vatikan-Entscheidung weiterhin für offen. "Wir lassen bei der Frage nicht locker", so der Bischof wörtlich. (tmg/KNA)