Katharina Geskes
Katharina Geskes als Teilnehmerin des Synodalen Wegs nachgerückt

Neu-Synodale: Wenn keine Reformen kommen, trete ich aus Kirche aus

Mit seiner Online-Konferenz hat der Synodale Weg in der vergangenen Woche eine weitere Etappe gemeistert. Gleichzeitig war das Digital-Treffen die erste Veranstaltung, an der die Neu-Synodale Katharina Geskes aus Berlin teilgenommen hat. Im katholisch.de-Interview berichtet die Nachrückerin von ihren Erfahrungen.

Von Roland Müller |  Berlin - 09.02.2021

Die Online-Konferenz des Synodalen Wegs war ihre Premiere: die Neu-Synodale Katharina Geskes nahm in der vergangenen Woche erstmals an einer Veranstaltung des kirchlichen Reformprozesses teil. Wie die 21-jährige Nachrückerin das digitale Treffen erlebt hat und auf welche Veränderungen in der katholischen Kirche sie hofft, hat sie im Gespräch mit katholisch.de erzählt.

Frage: Frau Geskes, Sie waren bei der am Freitag zu Ende gegangenen Online-Konferenz erstmals als neues Mitglied der Synodalversammlung bei den Beratungen des Synodalen Wegs dabei. Wie ist Ihr Eindruck des digitalen Treffens?

Geskes: Es war alles neu für mich und daher fand ich das Treffen sehr interessant. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld meiner Wahl in die Synodalversammlung mit den Themen des Synodalen Wegs auseinandergesetzt, aber ich wusste nicht so genau, wie der Stand der Gespräche in den einzelnen Foren war. Da habe ich jetzt nach der Konferenz einen viel besseren Überblick. Ich habe aus diesen zwei Tagen viel mitgenommen und gelernt, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass es schon jetzt zu Entscheidungen gekommen wäre – denn die Beweggründe für den Reformprozess sind ja sehr dringend. Es gab jedoch leider noch keine Abstimmungen.

Frage: Bei der Online-Konferenz war ein Schwerpunkt die Auseinandersetzung mit der Arbeit der Synodalforen. Wie ist aus Ihrer Sicht der Stand der Dinge in den einzelnen Gruppen?

Geskes: Besonders im Macht-Forum sind die Beratungen schon sehr weit und bei der nächsten Synodalversammlung gibt es dann sicher eine Abstimmung. Aber in den anderen drei Foren gibt es noch sehr viele Meinungsverschiedenheiten, wie man ganz klar mitbekommen konnte. Da muss noch viel ausdiskutiert werden, bevor die richtige Arbeit losgehen kann. Ich denke, es wird sich auch bei den strittigen Themen rund um Frauen, Priester und Sexualmoral eine Mehrheit für Beschlüsse finden, doch ob bestimmte Forderungen dann auch umgesetzt werden, ist mit Blick auf die Position des Vatikan fraglich. Ich finde es übrigens vollkommen in Ordnung, einen Konsens zu finden, der von einer großen Mehrheit getragen wird. Es müssen nicht einhundert Prozent sein.

Frage: Einige Synodale haben vor der Online-Konferenz kritisiert, dass die Sprache bei den Diskussionen in der Versammlung nur sehr schwer verständlich, geradezu theologisch abgehoben ist. Können Sie das bestätigen?

Geskes: In den Texten des Synodalen Wegs und auch jetzt bei den Gesprächen wird manchmal schon eine schwierige Sprache benutzt. Bei den Vorschlägen, über die später abgestimmt werden soll, ist es sicher richtig, theologische Fachwörter zu benutzen, damit sie in der Wissenschaft und in der Weltkirche aufgenommen werden. Es wäre also wichtig, die Diskussionen des Synodalen Wegs in einer verständlichen Sprache zu führen, damit alle mitreden können. In der Gesprächskultur des Prozesses fällt mir nämlich schon auf, dass sich hauptsächlich die TheologInnen und Geistlichen zu Wort melden können, weil sie sich mit den Begriffen auskennen. Sprache drückt auf eine gewisse Art und Weise Macht aus und gerade, wenn es beim Synodalen Weg ein Forum zu diesem Thema gibt, sollte man bei den Beratungen darauf achten, dass man so wenig Macht wie möglich ausübt. Nur so können alle Menschen daran teilhaben.

Zur Person

Die 21-jährige Katharina Geskes gehört seit Kurzem der Plenarversammlung des Synodalen Wegs an. Sie hat am 4./5. Februar 2021 an der Online-Konferenz teilgenommen. Geskes studiert Soziale Arbeit und ist ehrenamtlich im Diözesanvorstand der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Berlin als Geistliche Leiterin aktiv.

Frage: Bei den Nachgesprächen zu den Hearings der Synodalforen wurde von einzelnen Teilnehmern eine "Atmosphäre der Angst" in einigen Arbeitsgruppen beschrieben. Können Sie diese Beobachtung mit Ihrem unbefangenen Blick als "neues" Mitglied der Versammlung bestätigen?

Geskes: Nein, das ist mir nicht aufgefallen. In den Hearings, an denen ich teilgenommen habe – zur Berufung von Frauen und zur Sexualmoral –, hatte ich nicht den Eindruck, dass Forenteilnehmer Angst hatten oder andere Angst geschürt haben. Es war eher ein sehr wertschätzendes Gesprächsklima. Aber es sollte dem nachgegangen werden, wenn der Eindruck entsteht, dass man sich beim Synodalen Weg voreinander fürchten muss. Das ist schließlich eine gravierende Aussage! 

Frage: Gab es eine Art Info-Veranstaltung oder ein Begrüßungspaket als neues Synodalmitglied? Und wie findet man in die Arbeit in der Versammlung hinein?

Geskes: Vom Synodalbüro gab es keine Einführung in die Arbeit des Synodalen Wegs, nur eine sehr freundliche Bestätigungsmail zu meiner Nachwahl in die Versammlung. Ich wurde bei der Online-Konferenz zwar zu Anfang vom Präsidium als "Neue" begrüßt – aber das war es dann auch schon. Von den jungen Synodalen habe ich mehr Unterstützung erhalten: Zwei Wochen vor der Konferenz haben wir uns online getroffen und über die anstehenden Beratungen ausgetauscht. Da war ich dann immer schon dabei, wurde also gut vorbereitet. Auch durch den BDKJ gibt es eine tolle Begleitung des Synodalen Wegs. Da gab es eine Einführung in die Struktur des synodalen Weges für mich und für Fragen ist die BDKJ Bundestelle immer ansprechbar.

Frage: Wie kann man sich die Vernetzung der jungen Synodalen vorstellen: Gibt es eine Strategie für das Vorgehen bei den Treffen des Synodalen Wegs?

Geskes: Viele von uns jungen Mitgliedern sind zwar über den BDKJ in die Synodalversammlung gewählt worden, aber wir vertreten alle dort unsere jeweilige persönliche Meinung – auch wenn unsere Ansichten nicht so krass auseinandergehen. Natürlich sprechen wir Synodale uns manchmal zu Themen ab. Wir haben auch eine Chatgruppe, in der wir uns zu bestimmten Punkten austauschen. Aber wir können alle unsere eigenen Ansichten vertreten und müssen beispielsweise nicht geschlossen auftreten.

Online-Konferenz des Synodalen Wegs

Bei der Online-Konferenz des Synodalen Wegs konnten sich die Synodalen nur digital treffen.

Frage: Für Sie hat Ihre persönliche Teilnahme am Synodalen Weg gerade erst angefangen, aber bald kommt er auch schon an ein Ende, an dem konkrete Beschlüsse stehen werden. Was erwarten Sie da?

Geskes: Ich weiß wirklich nicht, auf welche Kompromisse man sich letztendlich einigen wird. Aber ich bin optimistisch, dass es Veränderungen in der Kirche geben wird – wenn vielleicht auch nur kleine. Ich möchte aber ganz ehrlich sein: Für den Fall, dass in den kommenden Jahren keine Reformen gemacht werden, habe ich in meinem Kopf schon meinen Antrag zum Kirchenaustritt formuliert. Nur schweren Herzen kann ich die katholische Kirche verlassen, das ist keine leichte Entscheidung. Aber es ist schon sehr schwer, Mitglied der Kirche zu bleiben. Deswegen hoffe ich derzeit noch sehr, dass es zu positiven Veränderungen kommt. Wir brauchen nicht nur warme Worte, sondern endlich Taten!

Frage: Welche Reformen wünschen Sie sich denn konkret?

Geskes: Der Synodale Weg sollte sich in Rom dafür einsetzen, dass Frauen wenigstens zu Diakoninnen geweiht werden dürfen. Warum sollte es da keine Sonderregelung für Deutschland geben?! Am schönsten fände ich es, wenn Frauen auch die Priesterinnenweihe offenstehen würde, aber das ist aktuell wohl auf gar keinen Fall zu machen. Ich fände es auch gut, wenn der Weg für eine Segnung von homosexuellen Partnerschaften offen wäre. Und der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche muss endlich zur Gänze aufgeklärt werden. Alle Überlebenden, wie die Betroffenen sich nennen, sollen endlich eine gerechte Entschädigung bekommen; die Verantwortlichen der sexualisierten Gewalt müssen bestraft werden. 

Frage: Aber über die Weihe von Frauen entscheidet nicht der Synodale Weg allein, sondern der Papst. Deswegen wird es dazu wohl zunächst nicht kommen…

Geskes: Das ist total frustrierend! Deshalb weiß ich auch nicht, wie lange ich es aushalten kann, Mitglied der katholischen Kirche zu sein. Ich habe Freundinnen und Bekannte, die eine Berufung verspüren und Priesterinnen werden möchten. Sie können mit diesem Wunsch nirgendwo hingehen, da sie deswegen immer noch größtenteils belächelt werden. Das ist sehr schmerzhaft! Ich bin aber dennoch vorläufig optimistisch, dass es zu kirchlichen Reformen kommt, denn beim Synodalen Weg verstehen viele meine Ansichten. Es gibt dort ein wohlwollendes Klima, in dem vielleicht Veränderungen wachsen können.

Von Roland Müller