Erzbischof Hans-Josef Becker
Erklärungen von Betroffenen gaben "Tiefe, die bislang gefehlt hat"

Erzbischof Becker: Synodaler Weg "stilbildend" für deutsche Kirche

Die Diskussionskultur des Synodalen Wegs stimmen den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker positiv. Die Statements von Betroffenen von sexualisierter Gewalt haben ihn berührt. Gleichzeitig verteidigt Becker, dass noch keine Beschlüsse gefällt wurden.

Paderborn - 13.02.2021

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sieht die Reformdebatte Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland als alternativlos an. "Ich bin zuversichtlicher als vor der Konferenz, dass es am Ende wirklich gehaltvolle Beschlüsse geben kann", erklärte er am Freitag in Paderborn. Eine Woche zuvor hatten rund 400 Teilnehmende des Synodalen Weges online über den derzeitigen Stand der Dinge debattiert. "Die Qualität des Diskurses wird sich weiter entwickeln und stilbildend für die Kirche in Deutschland werden", urteilte Becker.

Zu Beginn der digitalen Konferenz sprachen Betroffene von sexualisierter Gewalt durch Kleriker, die sich in einem Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz engagieren. Diese Wortmeldungen "haben der Konferenz zu einer Tiefe verholfen, die uns bislang gefehlt hat", sagte Becker. Der Erzbischof hob die "empathischen und klaren Ausführungen" hervor. So sei nochmals deutlich geworden, "dass die Ergebnisse der MHG-Studie Anlass für den Synodalen Weg gewesen seien".

"Inhaltliche Debatte im Mittelpunkt"

Das Papier von Wissenschaftlern aus Mannheim, Heidelberg und Gießen (MHG) zählt in Kirchenakten von 1946 bis 2014 insgesamt 3.677 betroffene Kinder und Jugendliche. Die MHG-Studie gilt als eine Art grundlegende Untersuchung zum Thema Missbrauch in der Kirche in Deutschland. Viele Diözesen haben nach der Veröffentlichung im Jahr 2018 eigene Gutachten für ihren Bereich angekündigt.

Becker verteidigte die Tatsache, dass es auf der Online-Konferenz des Synodalen Weges noch keine Abstimmungen gab. "Dafür stand die inhaltliche Debatte im Mittelpunkt", so der Erzbischof. Ein erstes Gesamtbild zeichne sich ab. Es werde weiterhin ein Ringen geben "zwischen denen, die mit dem Blick auf mögliche Beschlüsse eine Zerstörung der Kirche befürchten, und denen, die ohne Beschlüsse eine völlige Marginalisierung der Kirche erwarten". Dennoch erwarte er, dass die kommenden Diskussionen zu einem Ergebnis führen, das von vielen getragen werde.

Nächste Versammlung im Herbst 2021

Mit dem Synodalen Weg wollen die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nach dem Missbrauchsskandal Vertrauen zurückgewinnen und innerkirchliche Debatten voranbringen. Dabei geht es um Themen wie Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche.

Die Initiative wurde 2019 beschlossen; das Ende ist, auch wegen Corona, offen. Die nächste Synodalversammlung soll im Herbst 2021 stattfinden. Wie eine Synode hat auch der Synodale Weg beratenden Charakter. Das letzte Wort bei einer möglichen Umsetzung der Beschlüsse in ihrem Bistum haben die Ortsbischöfe. Das soll auch die Einheit mit der Weltkirche gewährleisten und einen nationalen Sonderweg verhindern. (gho/KNA)