Eine offene Kirchentür
Verbände und Reformgruppen warnen vor Scheitern des Synodalen Wegs

Laienbündnis an Bischöfe: "Verspielen Sie die letzte Chance nicht!"

Mit deutlichen Worten haben sich katholische Verbände und Reformgruppen an die deutschen Bischöfe gewandt und Reformen in der Kirche angemahnt. Die Zeit des Hinhaltens und des Vertuschens müsse endgültig vorbei sein.

Düsseldorf - 22.02.2021

Kurz vor Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz haben mehrere katholische Verbände und Reformgruppen die Notwendigkeit von Reformen in der katholischen Kirche betont und vor einem Scheitern des Synodalen Wegs gewarnt. "Verspielen Sie die letzte Chance nicht", heißt es in einem am Montag veröffentlichten Apell der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), der Reformbewegungen "Wir sind Kirche" und "Maria 2.0" sowie des Katholischen LSBT+Komitees an die deutschen Bischöfe.

Die Bischofskonferenz trifft sich von Dienstag bis Donnerstag digital zu ihrer Vollversammlung. Dabei wollen die Bischöfe unter anderem über den aktuellen Stand des Synodalen Wegs, die Debatte um den assistierten Suizid und den Umgang mit dem Votum des Ökumenischen Arbeitskreises "Gemeinsam am Tisch des Herrn" sprechen. Auch das Themenfeld "Aufklärung und Aufarbeitung" sowie die notwendigen Konsequenzen aus der MHG-Studie stehen auf der Agend.

"Die Zeit des Vertuschens muss endgültig vorbei sein"

"Wir – als großer Teil des Kirchenvolks – sind gemeinsam auf einer Linie. Die Zeit des Hinhaltens, des Vertuschens, der immer noch schleppenden Aufklärung sexualisierter Gewalt und der toxischen Machtstrukturen muss endgültig vorbei sein", erklärte das Bündnis, das nach eigenen Angaben auch von den Betroffeneninitiativen "Eckiger Tisch" und "MojoRed" unterstützt wird, weiter. Notwendig seien jetzt klare Worte und deutliche Taten, durch die die Kirche wieder glaubwürdig und positiv erlebt werden könne

Solange keine ehrliche, offene und vollständige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in allen deutschen Bistümern auf wissenschaftlich hohem Niveau und gleichem Standard erfolge, liefen die Reformbemühungen des Synodalen Weges ins Leere. Ein konstruktiver Dialog über die Perspektiven des Reformprozesses sei dringend erforderlich.

Der Appell des Bündnisses richtet sich an die deutschen Bischöfe, die sich ab Dienstag digital zu ihrer Frühjahrsvollversammlung treffen.

Unter anderem fordert das Bündnis eine "objektive, unabhängige und vollständige Aufarbeitung" der Missbrauchsfälle in der Kirche sowie eine strafrechtliche Verfolgung der Täter, eine kirchenrechtliche Ahndung der Vertuscher und – soweit noch möglich – die Aufklärung durch staatliche Stellen: "Nehmen Sie die Betroffenen ernst – anstatt sich selbst als Opfer darzustellen! Sexualisierte Gewalt und das erfahrene Leid sind nicht wiedergutzumachen. Deshalb ist es das Mindeste, die Taten aufzuklären und aufzuarbeiten, die Verantwortlichen für mögliche Vertuschungen zu benennen und die Betroffenen angemessen zu entschädigen."

"Berufung ist keine Frage des Geschlechts"

Die Kirche brauche einen neuen und positiven Zugang zur Sexualität, ihrer bewussten  Gestaltung und der Tatsache, dass Sexualität zum Leben gehöre, so die Verbände und Gruppen. Heterosexuelle, Lesben, Schwule, trans- und intergeschlechtliche Menschen gehörten gleichwertig zur Kirche. Es dürfe keine Verurteilungen und Diskriminierungen mehr geben. Und weiter: "Der Zugang zu allen Diensten und Ämtern darf nicht mehr nur Männern vorbehalten bleiben." Dies widerspreche dem christlichen Menschenbild und den allgemeinen Menschenrechten. "Es gibt keinen Grund, jemanden kategorisch auszuschließen. Berufung ist keine Frage des Geschlechts", so die Unterzeichner des Appells.

Klerikale Machtstrukturen trügen immer die Gefahr des Machtmissbrauchs in sich; sie müssten endlich aufgebrochen und verändert werden: "Kirche soll ein Ort für alle Menschen sein und nicht hierarchisches Machtkonstrukt weniger Einzelner. Synodale und partizipative Strukturen sind deshalb jetzt gefordert", erklärte das Bündnis. (stz)