Schachfigur
Standpunkt

Die Sekretärin bleibt im Hintergrund

Beate Gilles wird als erste Frau das Sekretariat der Bischofskonferenz leiten. Tilmann Kleinjung überrascht es, dass diese Personalentscheidung überraschte, und er beklagt: Der Arbeitsplatz von Frauen in der Kirche bleibt weiterhin im Hintergrund verortet.

Von Tilmann Kleinjung |  Bonn - 25.02.2021

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Wir haben es ja geahnt, als wir die Ausschreibung gelesen haben. Gesucht wurde ein "Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (m/w/d)". Qualifikation: ein theologisches Studium, mehrjährige Leitungserfahrung. Die Priesterweihe war ausdrücklich nicht Voraussetzung für diesen wichtigsten Posten, den die Bischofskonferenz zu vergeben hat. Es deutete sich also an, dass die Bischöfe diese Stellenbesetzung nutzen, um ihr Versprechen einzulösen, "Frauen in Führungspositionen zu fördern". Was mich überrascht hat, war die Überraschung, die diese Personalie ausgelöst hat. Eine Agentur verschickte die Nachricht, dass Beate Gilles zur neuen Generalsekretärin der Bischofskonferenz gewählt wurde, sogar als Eilmeldung.

So ungewöhnlich ist das offenbar immer noch, wenn die katholische Kirche wichtige Posten an Frauen vergibt. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das eben immer noch eine Männerkirche, auch wenn immer mehr Bischöfe Top-Stellen mit Top-Managerinnen besetzen. Sie nutzen den Spielraum dessen, was heute schon möglich ist – ohne katholische Grundsätze fundamental in Frage zu stellen. Und so arbeiten hoch qualifizierte Theologinnen als Abteilungsleiterinnen in der Bistumsleitung, in München leitet eine Juristin die Geschäfte des Ordinariats. Kein Zweifel: Das sind wichtige und einflussreiche Positionen. Beate Gilles wird eine der mächtigsten Frauen in der katholischen Kirche in Deutschland – auch dem Titel nach. Aus dem "Sekretär (m/w/d)" in der Stellenausschreibung wurde eine Generalsekretärin.

Doch der Arbeitsplatz ist eindeutig verortet: im Hintergrund. Im Vordergrund bleiben die Männer. Ob in der Gemeinde der Priester oder im Bistum der Bischof. In der katholischen Kirche ist Macht an die Weihe gebunden und die bleibt den Männern vorbehalten. Die neue Frauen-Power in der katholischen Kirche wird an dieser Ungleichbehandlung nichts ändern. Deshalb werden auch die Frauen von Maria 2.0 weiter demonstrieren, bis sie eine Antwort auf ihre Frage bekommen: Mit welchem Recht und noch wichtiger, mit welcher Theologie schließt die Kirche einen Teil ihrer Gläubigen von Ämtern und damit von Macht aus?

Von Tilmann Kleinjung

Der Autor

Tilmann Kleinjung ist Leiter der Redaktion Religion und Orientierung im Bayerischen Rundfunk (BR).

Hinweis

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