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Standpunkt

Für friedliches Miteinander mit dem Islam braucht es religiöse Bildung

Um langfristig ein friedliches Miteinander der Religionen zu ermöglichen, müsse der Islam sich modernisieren, kommentiert Eckhard Nordhofen. Entscheidend ist für ihn hierbei auch die religiöse Bildung. Ein gutes Beispiel sieht er im Christentum.

Von Eckhard Nordhofen |  Bonn - 02.03.2021

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Die in Europa einwandernden Muslime hängen an ihrer Religion. Sie ermöglicht es Ihnen, eine Identität auszubilden, die sich nur auf den ersten Blick aus ihrem Glauben speist. Sie hat auch viel mit dem Gegensatz "Wir und die Anderen" zu tun hat. So bleibt die Integration in die Mehrheitsgesellschaft, von Einzelfällen abgesehen, meist ein frommer Wunsch.

Das laizistische Frankreich will den islamistischen Extremismus mit Repression bekämpfen. Die trifft dann auch die gesetzestreue Mehrheit der Muslime. Da stehen sich zwei Ideologien auf ungute Weise gegenüber: ein im Kern postreligiöser Laizismus wie er in der intellektuellen Klasse vorherrscht, und eine Religion, die sich im Besitz der Wahrheit wähnt, die sie in ihrer Heiligen Schrift verbürgt sieht. Diese Wahrheit nicht nur in Europa sondern weltweit zu verbreiten, ist für viele Muslime seit Khomeini eine Perspektive, die durch politische Erfolge Auftrieb bekommt. Heute ist man noch in der Minderheit, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis sich das Blatt gewendet hat. Einige Intellektuelle, allen voran Michel Houellebecq, dramatisieren diesen Gegensatz, zeigen aber keine Perspektive dafür auf, wie man ihn entschärfen könnte.

Das Beispiel von Navid Kermani zeigt, dass es prinzipiell durchaus möglich ist, einen nicht-fundamentalistischen Islam für die Moderne anschlussfähig zu machen. Das Verhältnis zur Heiligen Schrift des Koran wird zum Lackmustest. Die Bibel ist, zumindest für gebildete Christen, aus dem Säurebad der historisch-kritischen Exegese glänzend herausgekommen. Sie gibt Nachricht davon, wie Gottesgeist und Menschenfleisch zusammenkommen können, daher bleibt sie die heilige Schrift, ist aber kein Kultobjekt. Nur wenn auch der Islam sein Modernisierungspensum schafft, ergibt sich langfristig für das friedliche Nebeneinander der monotheistischen Religionen eine Perspektive. Hier kommt es entscheidend auf die Weichenstellung für die religiöse Bildung an. Wenn die Devise heißt: Bildung statt Repression, so ist die Förderung fundamentalistischer Verbände der falsche Weg.

Von Eckhard Nordhofen

Der Autor

Eckhard Nordhofen ist ein deutscher Theologe und Philosoph. Von 2001 bis 2010 war er Leiter des Dezernates Bildung und Kultur im Bistum Limburg. Bis 2014 lehrte er außerdem theologische Ästhetik und Bildtheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.