Kopp: "Online ist bei der Bischofskonferenz noch viel Luft nach oben"
DBK-Pressesprecher bei Tagung "Kirche im Web"

Kopp: "Online ist bei der Bischofskonferenz noch viel Luft nach oben"

Medial sei die Kirche im 21. Jahrhundert angekommen, oft fehlten ihr aber Gelder, um noch besser zu werden, meint Matthias Kopp. Der Pressesprecher der Bischofskonferenz spart nicht an Selbstkritik. Hoffnung mache ihm aber der kirchliche Nachwuchs.

Münster - 12.03.2021

Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, sieht bei der Online-Präsenz der DBK noch "viel Luft nach oben". Die Internetpräsenzen der deutschen Diözesen lobte er dagegen: "Die 27 Bistümer machen im Internet eine wunderbare Arbeit, sie sind viel präsenter als die Bischofskonferenz", sagte Kopp am Freitag bei der Konferenz "Kirche im Web". Man befinde sich als Kirche in einem intensiven Lernprozess.

Die DBK sei erst im letzten Jahr medial im 21. Jahrhundert angekommen, so Kopp: Seit dem vergangenen Jahr ist sie mit eigenen Profilen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen vertreten. Stellungnahmen zu politischen Themen hätten dabei "größere Reichweite als Texte aus dem Evangelium", stellte Kopp fest.  Er habe gelernt, dass die Kirche im Internet keine Meinung bestimmen könne, sondern in der derzeitigen Situation vor allem reagieren müsse. Bei begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen sei es schwierig mehr zu leisten. Man sei aber bemüht, dem User einen "Eindruck wirklicher Kommunikation" zu vermitteln.

Die Verkündigung des Evangeliums komme der Kirche auch im Internet zu. Vorbildlich bezeichnete Kopp die Social-Media-Präsenz des Papstes. "Franziskus und sein Team schaffen es sowohl das Evangelium zu verkünden als auch politische Themen anzusprechen." Dies müsse die deutsche Kirche lernen – auch innerhalb des Episkopats. Kopp berichtete von jüngeren Bischöfen, die sich selbstverständlich auf digitalen Plattformen bewegten und anderen, die den digitalen Medien skeptischer gegenüberstünden.

"Der BDKJ zeigt uns, wie man nach vorne marschiert"

Als großen Treiber in Sachen digitaler Präsenz bezeichnete Kopp den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit seiner Begleitung des Synodalen Wegs. "Der BDKJ zeigt uns, wie man nach vorne marschiert", sagte Kopp. So werde deutlich, was Kirche im Internet alles machen könne. Das heiße nicht, dass sie dort nicht schon wäre. "Kirche ist schon im Internet zu finden", wer etwas anderes behaupte müsse sich dem Faktencheck stellen, sagte Kopp mit Blick auf Kritik des CDU-Politikers Ruprecht Polenz.

Polenz hatte am Vorabend bei der Tagung kritisiert, nur wenige kirchlichen Stimmen im Internet zu kennen. "Zur Corona-Diskussion habe ich gar nichts von der Kirche gehört", sagte der Politiker bei der Abendveranstaltung. Dies könne Kopp nicht bestätigen, gerade durch Corona sei die mediale Präsenz der Kirche gesteigert worden. "Ich möchte die Pandemie nicht seligsprechen, aber Corona hat uns in die Digitalisierung geworfen", sagte Kopp. Dabei wandte er sich dagegen, immer “von oben nach unten” und zentralisiert zu denken. Die Stärke des Netzes sei Vielfalt. “Von der Graswurzelarbeit, die in den Gemeinden und Verbänden läuft, können wir alle lernen”, so Kopp weiter.

Die Tagung "Kirche im Web" fand vom 11. bis 12. März statt. Die Veranstaltung widmete sich in diesem Jahr der Aufgabe der Kirche in der digitalen Gesellschaft. Am Donnerstag forderte der Chefredakteur von netzpolitik.org Markus Beckedahl die Kirche auf, die digitale Gesellschaft auch mit ihrer Marktmacht mitzugestalten und ihre Reichweite in weniger netzaffinen Kreisen für Medienbildung zu nutzen. Aufgrund der Coronapandemie tauschten sich die rund 100 Teilnehmenden online aus. Neben Vorträgen, Podiumsdiskussionen fanden auch praktische Workshops statt. Die Tagung in Trägerschaft der Katholischen Akademien von Münster und Rottenburg-Stuttgart wird in Kooperation mit katholisch.de und evangelisch.de sowie weiteren Kooperationspartnern ausgerichtet. Für 2022 ist eine Rückkehr zum Präsenzbetrieb geplant. Die Tagung soll am 24. und 25. März 2022 in der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfinden. (ben)