Kardinal Rainer Maria Woelki
Erzbischof kündigt unabhängige Aufarbeitung von Missbrauch an

Kardinal Woelki: "Ich hab mein Versprechen gehalten"

Nach Veröffentlichung des Kölner Missbrauchsgutachtens meldet sich Kardinal Rainer Maria Woelki zu Wort: Er betont, Wort gehalten zu haben, und sagt, wie sich die Missbrauchsaufarbeitung in seiner Diözese künftig verändern soll.

Hamburg/Köln - 19.03.2021

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat angekündigt, die weitere Aufarbeitung von Missbrauch in seinem Erzbistum unabhängigen Stellen zu überlassen und sich selbst herauszuhalten. Künftig solle es eine unabhängige Kommission geben, "die dann auch von außen die Aufarbeitung begleiten und leiten wird", sagte er am Donnerstagabend im Interview der ARD-"Tagesthemen". Zudem wolle das Erzbistum in der kommenden Woche seinen Beraterstab zum sexuellen Missbrauch um eine unabhängige Gruppe erweitern. Künftig solle die Kommission und nicht er als Erzbischof sagen, wie Aufarbeitung zu erfolgen habe und weitergehen solle.

Bereits am Montag hatte das Erzbistum Details zur geplanten Kommission bekannt gegeben. Sie wird demnach mit Betroffenen, Experten aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie Kirchenvertretern besetzt. Die Mitglieder würden mehrheitlich vom Land Nordrhein-Westfalen und den Betroffenen benannt. Mit dem Land und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gebe es bereits Gespräche, so Woelki.

Erste Bischöfe ziehen Konsequenzen

Am Donnerstagvormittag hatten Juristen ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln vorgestellt. In 75 der insgesamt 236 ausgewerteten Aktenvorgänge stellte das Team um Strafrechtler Björn Gercke Pflichtverletzungen von Bistumsverantwortlichen fest. Die Amtsträger gingen zum Beispiel einem Verdacht nicht nach oder sanktionierten strafbares Verhalten nicht. In keinem einzigen Fall ging es um Strafvereitelung im strafrechtlichen Sinn.

Zu den Beschuldigten zählen unter anderem der Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54), der früher Personalchef und Generalvikar in Köln war, sowie der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (53), ebenfalls ein ehemaliger Kölner Generalvikar. Beide Würdenträger boten noch am Donnerstag Papst Franziskus ihren Rücktritt an. Sie sind somit die ersten Bischöfe in Deutschland, die wegen des Missbrauchsskandals persönliche Konsequenzen ziehen.

Kommenden Dienstag will sich das Erzbistum zu weiteren Konsequenzen aus dem Gercke-Gutachten äußern. Um die Untersuchung hatte es einen monatelangen Streit gegeben. Ein erstes Gutachten einer anderen Kanzlei wollte Woelki nicht wie zunächst vorgesehen veröffentlichen, weil er es für fehlerhaft hält. Der Kardinal verteidigte diese Entscheidung. Das nun vorliegende zweite Gutachten benenne die Dinge, die falsch liefen, deutlich und schone die Verantwortlichen nicht. "Ich hab mein Versprechen gehalten, ich habe ein Gutachten vorgelegt", so Woelki: "Da wird nichts verschwiegen. Insofern denke ich, dass eine Basis gelegt ist, auf der man aufbauen kann." (KNA)

Das vollständige Gutachten

Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen des Erzbistums Köln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Kleriker oder sonstige pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln im Zeitraum von 1975 bis 2018. Verantwortlichkeiten, Ursachen und Handlungsempfehlungen.