Merkel hebt "Osterruhe" wieder auf – Gottesdienst-Debatte geht weiter
Seehofer kritisiert Bitte nach rein virtuellen Gottesdiensten

Merkel hebt "Osterruhe" wieder auf – Gottesdienst-Debatte geht weiter

Bundeskanzlerin Angela Merkel rudert zurück: Die angekündigte "Osterruhe" ab Gründonnerstag soll nun doch nicht stattfinden. Was das für die Ostergottesdienste bedeutet, blieb zunächst unklar. Die Debatte darüber geht unterdessen weiter.

Bonn - 24.03.2021

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Montagnacht beschlossene fünftägige "Osterruhe" wieder aufgehoben. "Die Idee der sogenannten Osterruhe war ein Fehler", erklärte Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie habe gute Gründe gehabt, es sei aber in der Kürze so nicht umsetzbar. Mit der verordneten Osterruhe sollten der Gründonnerstag und Karsamstag zu zusätzlichen Ruhetagen erklärt werden. Merkel betonte, es sei ihr Fehler gewesen, der Fehler müsse auch als solcher "benannt und korrigiert werden". Sie bedauere die dadurch entstandene zusätzliche Verunsicherung. Zur fortlaufenden Debatte um die Ostergottesdienste nahm sie keine Stellung.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kritisierte unterdessen die Bitte an die Religionsgemeinschaften, auf Gottesdienste zu verzichten. "Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern", sagte er der "Bild"-Zeitung (Mittwoch). Sein Haus habe diesen Vorschlag nicht gemacht, obwohl es für die Religionen zuständig sei. Die Hygiene-Konzepte der Kirchen funktionierten "bis heute tadellos", so Seehofer. - In der Bund-Länder-Konferenz hatte man sich zuvor darauf geeinigt, mit der Bitte auf die Kirchen und Religionsgemeinschaften zuzugehen, religiöse Versammlungen in der Osterzeit nur virtuell durchzuführen.

Erzbischof Koch enttäuscht von Beschlüssen

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch reagierte mit Enttäuschung auf die jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern. Eigentlich habe die Politik zugesagt, dass es in diesem Jahr nicht so laufen solle wie 2020, sagte Koch am Mittwoch im rbb-Inforadio. Zudem habe die Kirche sehr gute Hygiene- und Abstandskonzepte. "Die Sorge um die Gesundheit nehmen wir sehr ernst", betonte der Erzbischof. Nach aktuellem Planungsstand solle es verschiedene Gottesdienstformen zu Ostern geben, sagte Koch. Online-Gottesdienste gehörten ebenso dazu wie Gottesdienste im Freien. "Und es wird wahrscheinlich die Möglichkeit geben, unter sehr begrenzten Bedingungen auch Gottesdienste live zu halten", so der Erzbischof. Er appellierte an Besucher, Selbsttests durchzuführen. "Und wir werden rigoros auf die Einhaltung der Bedingungen achten."

Die katholischen Laien in Deutschland drängten auf Präsenzgottesdienste zu Ostern. "Es muss in den Gesprächen mit Bund und Ländern deutlich werden, dass die Öffnung der Kirchentüren zu Ostern etwas anderes ist als die Öffnung irgendwelcher Geschäfte", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Zudem seien Gottesdienste "verantwortungsvoll unter Wahrung strenger Regeln möglich".

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte, er wolle die Kirchen selbst über Präsenzgottesdienste entscheiden lassen. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Religionsgemeinschaften "einen klugen und verantwortungsvollen Weg finden werden", sagte er am Dienstagabend in den ARD-Tagesthemen. Ähnlich hatte sich zuvor Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) geäußert. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, keinen Druck auf die Kirchen ausüben zu wollen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) warb indes um Verständnis: Es gehe um eine Reduzierung "sämtlicher öffentlicher Bewegungen".

Die fünf Bistümer in Nordrhein-Westfalen wollen nicht auf Präsenzgottesdienste von Gründonnerstag bis Ostern verzichten. "Wir sind der Meinung, dass sich die Gottesdienstregeln zu Weihnachten bewährt haben und dass wir unter diesen Voraussetzungen auch die Ostergottesdienste feiern können", sagte der Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Antonius Hamers, am Dienstagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Düsseldorf. In NRW liegen die Erzbistümer Köln und Paderborn sowie die Diözesen Aachen, Essen und Münster.

Auch in Niedersachsen sollen Präsenzgottesdienste stattfinden

Auch die Kirchen in Niedersachsen wollen zu Ostern nicht auf Präsenzgottesdienste verzichten. "Wir sind irritiert darüber, aus den Medien erfahren zu müssen, dass die Kirchen gebeten sind, von Gründonnerstag bis Ostermontag ausschließlich digitale Gottesdienste zu halten", heißt es in einer am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Erklärung der niedersächsischen Bischöfe. Es sei das Ziel der Kirchen im Rahmen der Corona-Verordnung auch über Ostern Gottesdienste sowohl in Präsenz als auch digital zu feiern. "Wir legen Wert darauf, dass die Wahl der Formate und die konkrete Ausgestaltung der Gottesdienste weiter in der Eigenverantwortung der Kirchen bleibt."

Die beiden großen Kirchen in Deutschland hatten sich bereits am Dienstag "überrascht" von der von Bund und Ländern formulierten Bitte nach ausschließlich virtuellen Gottesdiensten zu Ostern gezeigt. "Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburgs Bischof Georg Bätzing. "Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können." Darauf wolle man an Ostern nicht verzichten. Dies werde man in Gespräche mit der Politik einbringen. (tmg/KNA)