Der Petersdom und der Petersplatz im Vatikan.
Präsident von Päpstlicher Akademie kritisiert Pharmakonzerne

Vatikanvertreter: Politik muss Oberhand über Wirtschaft erhalten

Warum werden die Patente auf die Impfstoffe gegen das Coronavirus nicht aufgehoben, damit alle Menschen schnell versorgt werden können? Diese Frage hat Stefano Zamagni gestellt, der Präsident der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften.

Vatikanstadt - 18.04.2021

Die Politik muss nach Ansicht eines vatikanischen Wirtschaftsexperten die Oberhand über die Wirtschaft erhalten. Dass im Verhältnis zwischen beiden Kräften etwas nicht stimme, belege die derzeitige Pandemie, so Stefano Zamagni, Präsident der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, im Interview mit Radio Vatikan am Samstag.

"Wie ist es möglich, dass fünf Pharmakonzerne die ganze Welt in Schach halten, indem sie anderen Menschen nicht erlauben, lizenzierte Impfstoffe herzustellen?", so der italienische Ökonom. Niemand bestreite, dass die Firmen für ihre Erfindungen "belohnt werden und einen angemessenen Gewinn erzielen sollten". Angesichts der vielen Menschenleben, um die es weltweit geht, müsse aber öffentliches Interesse über Privatrecht stehen.

Forderung nach kostenloser Lizenzvergabe für Impfstoff-Herstellung

Zamagni unterstützt Forderungen von Papst Franziskus und des Heiligen Stuhls, nach einer kostenlosen Lizenzvergabe der Patente zur Vakzin-Herstellung. Anfang Mai plant der Vatikan eine internationale Online-Tagung zu Folgen der derzeitigen medizinischen Entwicklung. Teilnehmen sollen unter anderen der US-amerikanische Infektionswissenschaftler Anthony Fauci und die Chefs der Impfstoff-Konzerne Pfizer und Moderna, Albert Bourla und Stephane Bancel.

Papst Franziskus, so Zamagni weiter, sei sich "mehr als andere" bewusst, dass in den vergangenen 30 Jahren die Welt der Wirtschaft jene der Politik dominiert. Viele Politiker seien nicht mehr frei, zu handeln "und Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen, weil sie buchstäblich von Wirtschafts- und Finanzpotentaten erpresst werden". (KNA)