Auf den Spuren der Gottesmutter Maria im Heiligen Land
Viele Orte laden zum Innehalten ein

Auf den Spuren der Gottesmutter Maria im Heiligen Land

Wenn das Reisen und Pilgern wieder möglich ist, werden Menschen auch wieder das Heilige Land besuchen. Die meisten kommen wegen der Jesus-Orte. Doch auch die Erinnerungen an die Gottesmutter Maria können ein roter Faden für den Aufenthalt sein.

Von Fabian Brand (KNA) |  Bonn - 02.05.2021

Wenngleich die meisten Pilgerreisen, die ins Heilige Land führen, auf den Spuren Jesu unterwegs sind, so lohnt es sich doch, einmal die bekannten Wege zu verlassen und nach anderen Orten Ausschau zu halten. Zahlreiche weitere heilige Stätten erinnern an viele bedeutende Menschen aus dem Alten und Neuen Testament. So mag es kaum verwundern, dass man im Besonderen auch Maria, der Mutter Jesu, im Heiligen Land leicht auf die Spur kommen kann. Einige heilige Stätten sind ihr gewidmet, an vielen Orten kann man ihrer im Heiligen Land gedenken.

Obwohl das Neue Testament nur von einer Reise Marias nach Jerusalem erzählt, so beginnt ihr Weg doch in der Heiligen Stadt. Wenn man vom Kedrontal aus durch das Löwentor die Altstadt betritt, trifft man noch vor der ersten Station der Via Dolorosa auf die prächtige Kreuzfahrerkirche Sankt Anna. Die alte Tradition hat hier, nahe beim Teich Betesda, schon sehr früh den Ort gesehen, an dem die legendarischen Eltern Mariens, Joachim und Anna, gelebt haben.

Hier wurde das Grab der beiden Eltern verehrt, hier wurde auch eine Grotte gezeigt, von der es hieß, dass sie der Geburtsort Marias sei. Die Kreuzfahrer haben an dieser Stelle eine spätromanische Basilika errichtet, die wahrscheinlich einst mit prächtigen Fresken ausgeschmückt war. Über eine Treppe gelangt man in eine Krypta, die dem Gedächtnis der Geburt Marias gewidmet ist. Biblisch ist zu dieser Tradition nichts überliefert; die Evangelien schweigen zur Herkunft und zu den Eltern Marias.

Biblisch gestützte Spur von Maria in Nazareth

Unklar ist daher, wann und wie Maria ins galiläische Nazareth gekommen ist. Dort jedenfalls gibt es eine erste biblisch gestützte Spur von Maria. Zumindest berichtet das Lukasevangelium über die Ankündigung der Geburt Jesu, wo es ausdrücklich heißt: "Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt" (Lk 1,26f).

Mindestens zwei Orte sind im heutigen Nazareth mit Maria verbunden: die Verkündigungsbasilika und der Marienbrunnen. Die heutige Verkündigungskirche wurde erst 1969 geweiht und ist eine der größten Kirchen im Nahen Osten. Doch schon in den ersten christlichen Jahrhunderten wurde eine Grotte, die sich heute in Unterkirche der Basilika befindet, als jener Ort verehrt, an dem Maria die Botschaft des Engels empfangen hatte.

Eine Darstellung der Heiligen Familie in der Kapelle der Milchgrotte erinnert an eine Legende

Eine zweite Tradition verlegt die Begegnung Mariens mit dem Engel Gabriel an den Brunnen des Dorfes: Eine vor allem in den orthodoxen Kirche verbreitete Legende berichtet, Maria sei gerade beim Wasserholen gewesen, als sie auf den Engel traf. Bis heute erinnert die orthodoxe Gabrielskirche, in deren Inneren sich der Brunnen befindet, an diese Begegnung.

Geburt Jesu in Bethlehem

Eine nächste Spur führt nach Bethlehem: In der berühmten Weihnachtsgeschichte berichtet das Lukasevangelium von der Geburt Jesu, die sich in Bethlehem zugetragen hat. Insbesondere die Geburtsbasilika mit der Grotte der Geburt erinnert an dieses Ereignis und lädt dadurch auch dazu ein, über Maria nachzudenken, die in ihrem Herzen das Geheimnis der Menschwerdung Gottes bewegt.

Nur wenige Meter von der Geburtskirche entfernt befindet sich die Kapelle der Milchgrotte, die ebenfalls an eine Legende erinnert: Als Maria und Josef die Flucht vor Herodes ergriffen hatten, musste Maria das Kind noch stillen. In der Eile sei ein Tropfen Muttermilch auf einen Stein gefallen, der sich plötzlich weiß gefärbt hatte. Bis heute kann man den Stein in der Kapelle verehren.

Am Ende ihres Lebens führt der Weg Mariens wieder zurück nach Jerusalem. Auf dem heutigen Zionsberg soll Maria im Haus des Jüngers Johannes gestorben sein; die Dormitio-Basilika erinnert an das Lebensende der Gottesmutter. Nach ihrer Entschlafung wurde ihr Leichnam von den Jüngern hinunter in das Kedrontal gebracht und beigesetzt. Die heutige Kirche birgt noch das Mariengrab. Das ist allerdings leer, da Maria dem Glauben der Kirche gemäß mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde.

Von Fabian Brand (KNA)