ZdK-Präsident hofft auf starkes Zeichen durch ÖKT in Frankfurt

Sternberg: Kirchentage sind keine "Abgrenzungsveranstaltungen" mehr

Aktualisiert am 07.05.2021  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ Kommenden Donnerstag beginnt der Ökumenische Kirchentag. Obwohl er vorwiegend digital stattfindet, hofft ZdK-Präsident Thomas Sternberg auf ein starkes Zeichen aus Frankfurt. Im Interview ruft er dazu auf, die Ökumene praktisch vor Ort zu leben.

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Corona-bedingt wird beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt von 13. bis 16. Mai alles anders sein. Dazu wird er voraussichtlich die letzte kirchliche Großveranstaltung sein, die Thomas Sternberg in verantwortlicher Position miterlebt. Der Präsident des Zentralkomitees des Deutschen Katholiken – und somit auch katholischer ÖKT-Präsident – blickt auf die Ereignisse der kommenden Woche voraus und erklärt, wie sich die ÖKTs verändert haben.

Frage: Herr Professor Sternberg, Sie haben schon mehrere Katholikentage mitgeleitet. Nun steht der digitale ÖKT an.

Sternberg: Ja. Wir hatten uns auf ein rauschendes Fest mit 150.000 Menschen vorbereitet. Schon bei einem Katholikentag habe ich rund 20 Verpflichtungen und Auftritte. Jetzt sitze ich die meiste Zeit im Hotel vor einem Bildschirm ...

Frage: ... weil alles digital passiert.

Sternberg: Wir mussten häufig umdenken. Erst im November war dann endgültig klar, dass wegen der Corona-Pandemie kaum jemand nach Frankfurt kommen darf. Wir haben im ÖKT-Präsidium die Absage diskutiert, uns dann aber für ein radikales Umsteuern und eine Verlagerung ins Netz entschieden. Eine solche Veranstaltung kann nicht mal einfach um ein Jahr verschoben werden. Wegen der engen Taktung für Katholiken- und Kirchentage hätte das Treffen frühestens 2027 nachgeholt werden können. Wir werden trotzdem ein starkes Zeichen aus Frankfurt senden.

Frage: Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach ihre letzte Großveranstaltung als ZdK-Präsident. Kommt Wehmut auf oder freuen Sie sich, wenn auch der ÖKT überstanden ist?

Sternberg: Wehmut schwingt mit, aber ich halte es mit dem alttestamentlichen Buch Kohelet: Alles hat seine Zeit.

"Schaut hin" als oranger unscharfer Schriftzug auf violettem Hintergrund
Bild: ©ÖKT

"Schaut hin" ist das Motto des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt am Main, der kommende Woche beginnt.

Frage: Vieles ist in Frankfurt neu: Alles ist digital, und fast alle Angebote sind auf einen Tag – den 15. Mai – fokussiert. Wie wirkt sich das aus?

Sternberg: Die Gleichzeitigkeit von Veranstaltungen ist ganz normal – auch beim klassischen Kirchen- oder Katholikentag ist der Besucher viel auf Achse. Eine Reduzierung von 2.500 Veranstaltungen auf 80 ist arg und enttäuscht viele hoch Engagierte. Ich hoffe, dass sich Gruppen und Kreise zusammentun, um sich nach einer Veranstaltung auszutauschen. Wie immer müssen sich Besucher aus dem Programm etwas herauspicken. Dabei gilt, dass man nicht alles konsumieren soll, was man bekommen kann.

Es ist nicht zu bestreiten, viel wird fehlen: die vollen Straßenbahnen, die großen Hallen, das spontane gemeinsame Singen. Ich hoffe, dass beim Katholikentag in Stuttgart 2022 und beim Kirchentag in Nürnberg 2023 wieder Gemeinschaft, Nähe und Begegnung möglich sein werden.

Frage: Sehen Sie zwischen den verschiedenen Ökumenischen Kirchentagen eine Entwicklung?

Sternberg: Bei der Premiere 2003 haben wir geschaut, was der andere so macht, 2010 haben wir auf die anderen christlichen Konfessionen geblickt, in Frankfurt haken wir uns noch stärker untereinander ein und "schauen hin" auf die plurale, säkulare und nach wie vor nicht gerechte Welt. Über die Jahre sind zudem die Katholikentage evangelischer geworden und die Kirchentage katholischer. Die ÖKTs sind nicht mehr so notwendig wie sie es waren, um die Ökumene praktisch zu leben. Abgrenzungsveranstaltungen sind das alles schon lange nicht mehr.

Frage: Was zumindest beim Thema Eucharistie und Abendmahl nicht alle so sehen. Eine deutsche ökumenische Arbeitsgruppe erhielt zuletzt wieder einen deutlichen Rüffel aus Rom.

Sternberg: Unser Leitwort für die Gottesdienste am Samstagabend heißt "Kommt und seht". Zentral für die Form der Teilnahme ist dabei die Gewissensentscheidung der einzelnen Christen – so wie das in so vielen konfessionsverbindenden Familien Woche für Woche geschieht – auch ohne die ausdrückliche und authentische Zustimmung des kirchlichen Lehramtes. Die Impulse des Reformationsjubiläums haben uns darin bestärkt, den je anderen Reichtum der Konfessionen wechselseitig näher kennenlernen zu wollen.

Von Michael Jacquemain (KNA)