Frauenverbände sollten nicht nur Zugang zu Weiheämtern fordern

Schavan: Kirchliche Frauenbewegung "Maria 2.0" ist mutiges Zeugnis

Aktualisiert am 07.05.2021  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Ob "Maria 2.0" Reformen anstoßen könne, werde davon abhängen, inwieweit sich Bischöfe "auf Veränderungen einlassen", sagt Annette Schavan – und rät der Frauenbewegung, in ihren Forderungen noch einen Schritt weiter zu gehen.

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Die frühere deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, hat die katholische Frauenbewegung "Maria 2.0" gewürdigt. Sie werde in einer von "Tristesse" geprägten Kirche als "mutiges Zeugnis wahrgenommen", sagte Schavan am Donnerstagabend in einer Online-Veranstaltung des Katholischen Deutschen Frauenbundes im Erzbistum Berlin. "Maria 2.0" setzt sich unter anderem für eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern in der katholischen Kirche ein.

Ob die Bewegung Reformen anstoßen könne, werde davon abhängen, inwieweit sich Bischöfe "auf Veränderungen einlassen", sagte die ehemalige Bundesbildungsministerin und CDU-Politikerin. Sie räumte ein, dass sie in dieser Frage "nicht hoffnungsvoll" sei. Derzeit herrsche in der Kirche unter anderem wegen der hohen Austrittszahlen eine "Insolvenz-Rhetorik" vor. Aus der Krisensituation zögen manche den Schluss, dass Veränderungen zu noch mehr Problemen führen würden.

Nicht nur Zugang zu Weiheämtern fordern

Schavan riet den Frauenverbänden, nicht nur den Zugang zu Weiheämtern zu fordern. Es gehe auch darum, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) enge Verbindung von Leitungsfunktion und Weiheamt "zu entkoppeln". Dies führe dazu, dass die Bistümer immer größere pastorale Einheiten bildeten, weil immer weniger Priester für deren Leitung zur Verfügung stünden. Wenn die Gemeindeleitung weniger an das Priesteramt gebunden sei, wüchsen auch die Chancen, dass Frauen in der katholischen Kirche mehr Verantwortung übernehmen könnten. Als positive Entwicklung wertete Schavan, dass in der Amtszeit von Papst Franziskus auch Frauen in vatikanische Räte und Gremien berufen worden seien. Dies sei zuvor "nicht für möglich gehalten worden".

Die CDU-Politikerin hob überdies die Bedeutung von Ordensschwestern wie der Benediktinerin und Publizistin Philippa Rath für die Bewegung der reformorientierten Frauen hervor. Sie könnten dazu beitragen, dass die Frauenbewegung auch spirituell geprägt sei. Die "starken Stimmen" solcher Ordensfrauen seien wichtig, damit Reformforderungen "nicht sofort als Traditionsbruch gebrandmarkt werden". Rath fordert die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Ihr im Februar erschienenes Buch "Weil Gott es so will" hatte in der katholischen Kirche und darüber hinaus Aufsehen erregt. Es enthält Lebenszeugnisse von 150 Frauen, die sich zur Priesterin oder Diakonin berufen fühlen, diese Berufung aber in der katholischen Kirche nicht leben können, weil Weiheämter Männern vorbehalten sind. (tmg/KNA)