Generalvikar Klaus Pfeffer
"Katholische Kirche, wie wir sie kennen, stürzt gerade von ihrem hohen Sockel"

Essener Generalvikar Pfeffer: Talfahrt der Kirche kaum aufzuhalten

"Die katholische Kirche, wie wir sie kennen, stürzt gerade von ihrem hohen Sockel, auf dem sie über viele Jahrhunderte auf die Welt herabgeblickt hat", sagt Essens Generalvikar Klaus Pfeffer – er sieht darin jedoch auch eine Chance.

Essen - 15.06.2021

Nach Ansicht des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer muss sich die katholische Kirche grundsätzlich erneuern. "Im Moment sieht es so aus, als sei die Talfahrt der Kirche kaum aufzuhalten", schreibt er im Magazin "Bene" des Bistums Essen. "Die katholische Kirche, wie wir sie kennen, stürzt gerade von ihrem hohen Sockel, auf dem sie über viele Jahrhunderte auf die Welt herabgeblickt hat."

Dies könne jedoch auch als Chance begriffen werden, so der Generalvikar. "Wer vom Sockel stürzt, kann nicht mehr von oben herab auf die Welt blicken." Kirche müsse sich in Ehrlichkeit und Demut üben. Sie könne zu einem Ort werden, an dem sich "künftig Menschen auf Augenhöhe begegnen". Das "Hin und Her" in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche habe für viel Ärger gesorgt, sagte Pfeffer. Er selbst sei "fassungslos" angesichts des Missbrauchsskandals.

Auch übte der Verwaltungschef des Ruhrbistums erneut Kritik am Nein aus dem Vatikan zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: "Klipp und klar wurde da eine Sexualmoral festgeklopft, die von den meisten Menschen nicht verstanden wird - und die vor allem Menschen mit homosexueller Orientierung verletzt und diskriminiert." Bereits im März hatte er das Schreiben auf seiner Facebook-Seite als "unfassbar" bezeichnet. In einem Interview der "Rheinischen Post" sagte Pfeffer kürzlich: "Aus Rom kommen Verlautbarungen, ohne dass vorher mal mit den deutschen Bischöfen der Kontakt gesucht wird - und dann wundert man sich über den Wirbel, der entsteht." Manche Äußerungen aus römischen Kreisen weckten zudem "den Verdacht eines Misstrauens gegenüber einer Kirche, die sich einer pluralen Gesellschaft stellt und bereit ist, sich zu verändern". (tmg/KNA)