Eine Reihe schwarzer Aktenordner.
Konsequenz aus Missbrauchsgutachten

Erzbistum Köln führt "manipulationssichere" Aktenführung ein

Das Kölner Missbrauchsgutachten hat dem Erzbistum große Mängel in der Aktenführung vorgeworfen. Nun hat die rheinische Erzdiözese Konsequenzen aus dieser Analyse gezogen und seine Dokumentation im Bereich der Personalakten grundlegend umgestellt.

Köln - 28.06.2021

Das Erzbistum Köln führt ab dem 1. Juli die Personalakten aller Mitarbeitenden "digital, nachverfolgbar und manipulationssicher". Die Umstellung auf ein digitales Dokumenten-Management-System habe bereits 2018 und 2019 bei den Pastoral- und Gemeindereferenten begonnen, teilte die Erzdiözese am Montag mit. Schrittweise seien dann auch die Akten der Mitarbeiter in den Erzbischöflichen Schulen, im Generalvikariat und den angeschlossenen Dienststellen sowie der Priester und Diakone digital erfasst worden - insgesamt von 3.700 Personen.

Damit setzt das Erzbistum nach eigenen Angaben eine Konsequenz aus dem Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger um. Die im März veröffentliche Untersuchung hatte dem Erzbistum eine mangelhafte Aktenführung attestiert. Kritisiert wurden unvollständige Akten und fehlende Seitenzahlen. Notwendig sei eine Optimierung nach den Grundsätzen des weltlichen Rechts. Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann hatte im März das Ziel formuliert, dass künftig keine Unterlagen mehr verschwinden können

Der Jurist Friedrich Graf von Westphalen bezeichnete die Mängel bei der Aktenführung in vielen deutschen Bistümern als "krasses Organisationsverschulden". Dahinter verberge sich ein "systemisches Defizit kirchlicher Verwaltungsarbeit", schrieb Westphalen in der aktuellen Ausgabe der "Herder Korrespondenz" (Juli). "Gleichzeitig ist es ein sehr trauriger Beleg dafür, dass die Kirche, die sich immer gegenüber den profanen Dingen abgrenzt, die sie 'die Welt' nennt, von dieser und ihren bürokratischen wie rechtlichen Regeln noch sehr, sehr viel lernen muss." Die Kritik am Umgang des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki mit den Missbrauchsfällen in seiner Erzdiözese habe ihr Fundament auch im "schlicht nicht hinnehmbaren Organisationsverschulden" der kirchlichen Verwaltung. (rom/KNA/epd)