"Reflektierte ökumenische Offenheit und konfessionelle Eindeutigkeit"

Katholisch-evangelische Kooperation bei Religionsunterricht

Aktualisiert am 01.07.2021  –  Lesedauer: 

Mainz/Saarbrücken ‐ Durch gemeinsames Lernen Verständnis für die andere Konfession entwickeln und ein vertieftes Bewusstsein für die eigene gewinnen: In Rheinland-Pfalz und im Saarland sollen Formen eines konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts erprobt werden.

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Katholische und evangelische Kirche in Rheinland-Pfalz und im Saarland wollen beim Religionsunterricht stärker zusammenarbeiten. In einem mehrjährigen Pilotprojekt sollen laut Mitteilung von Donnerstag an einzelnen Schulen Formen eines "konfessionell-kooperativen Religionsunterrichtes" erprobt werden. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die beteiligten Bistümer und Landeskirchen. Das Vorhaben sei mit den Landesregierungen abgestimmt.

Der rheinische Präses Thorsten Latzel betonte, der Religionsunterricht bleibe katholischer oder evangelischer Religionsunterricht, "auch wenn er phasenweise in konfessioneller Kooperation, etwa durch einen Wechsel der Lehrkraft oder eine Durchmischung der Lerngruppen" stattfinde. Das Projekt solle an Bestehendes anknüpfen, etwa Zusammenarbeiten von Fachschaften, Team-Teaching oder Unterricht in gemischt-konfessionellen Lerngruppen. Ziel des Vorhabens sei, den konfessionellen Religionsunterricht mit Blick auf regional sehr unterschiedliche religionsdemografische Veränderungen weiterzuentwickeln.

Ackermann: "Reflektierte ökumenische Offenheit und konfessionelle Eindeutigkeit"

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann nannte als Grundsätze "reflektierte ökumenische Offenheit und konfessionelle Eindeutigkeit". Mädchen und Jungen sollten durch gemeinsames Lernen Verständnis für die andere Konfession entwickeln und ein vertieftes Bewusstsein für die eigene gewinnen. Zudem sollten sie zu Mündigkeit, ethischer Urteilskraft und Toleranz befähigt werden.

Konkrete Konzepte würden mit den Bildungsministerien in Rheinland-Pfalz und dem Saarland abgestimmt. Die konfessionelle Kooperation solle zunächst in der Grundschule starten und auch in der weiterführenden Schule in der Sekundarstufe 1 getestet werden. Nach mehreren Jahren solle das Pilotprojekt ausgewertet werden.

An der Kooperation beteiligen sich demnach die Bistümer Trier, Speyer, Mainz und Limburg sowie die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche der Pfalz und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Eine ähnliche Kooperation besteht mit den Bistümern Aachen, Essen, Münster und Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Auch in Niedersachsen ist eine neue Form des Religionsunterrichts geplant. Ab dem Schuljahr 2023/24 soll es dort einen gemeinsamen christlichen Unterricht geben. Bereits seit 1998 kooperieren die katholische und die evangelische Kirche in Niedersachsen beim Religionsunterricht, bisher allerdings auf organisatorischer Ebene, wenn es zu wenige Schüler einer Konfession in einer Klasse gibt oder entsprechende Lehrkräfte fehlen. (tmg/KNA)