Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin
"Ehre des Heiligen Stuhls" müsse verteidigt werden

Parolin über Finanzskandal-Prozess: Werde Rede und Antwort stehen

Ende Juli beginnt der Prozess gegen mehrere Beschuldigte im vatikanischen Finanzskandal. Die Nummer zwei des Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, begrüßt die juristische Aufarbeitung und hat nun seine Mitarbeit zugesichert.

Straßburg/Paris - 05.07.2021

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat angekündigt, im Fall einer Vorladung zum angekündigten Prozess, der sich mit dem vatikanischen Finanzskandal befasst, vor Gericht auszusagen. Er werde zu seinen Verantwortlichkeiten Rede und Antwort stehen, falls er gefragt werde, sagte Parolin laut der Zeitung "La Croix" (Montag) bei einem Pressetermin im französischen Elsass. Die vatikanische Nummer zwei hält sich dort für Höflichkeitsbesuche bei EU-Institutionen auf.

Parolin begrüßte die Ankündigung des Prozesses, auch wenn die Befunde sehr bedauerlich seien, hieß es weiter. Die Entscheidung zur Anklage habe mehr als eineinhalb Jahre gedauert. Konkreter äußerte er sich nicht zu den jüngsten Vorgängen. Er habe noch keine Zeit gehabt, die am Samstag veröffentlichten Dokumente zu lesen. Er wolle niemanden verurteilen. Erst beim Urteil lägen "alle Elemente auf dem Tisch". Er hoffe auf die Wahrheit und auch auf "einen kurzen Prozess, denn der Fall hat viele Menschen leiden lassen".

Parolin wird weiter zitiert: "Wir sehen uns als Opfer. Wir müssen die Ehre des Heiligen Stuhls verteidigen. Wir müssen auch die Möglichkeit bekommen, einen Teil des Geldes zurückzubekommen." Der Kardinalstaatssekretär gehört zwar nicht zu den Angeklagten im anstehenden Prozess. Im Raum steht aber die Frage, ob und was er als Chef des Vatikanischen Staatssekretariates über die dubiosen finanziellen Vereinbarungen wusste, die den Vatikan viele Millionen Euro kosteten.

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Über eine mögliche Papstreise im Herbst nach Marseille ist nach Worten von Parolin noch nicht entschieden; Franziskus befürworte aber einen Tagesbesuch. Am Montagvormittag machte Parolin Besuche beim Generalsekretär des Europarates, dem Präsident der Parlamentarischen Versammlung, dem Menschenrechtskommissar und dem Präsidenten des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes. Ende Juni hatte Papst Franziskus dem französischen Vordenker der EU Robert Schuman (1886-1969) den sogenannten heroischen Tugendgrad zuerkannt, eine wichtige Vorstufe auf dem Weg zur Seligsprechung.

Am Sonntag hatte Parolin im Auftrag des Papstes eine Messe am "heiligen Berg des Elsass" gefeiert, dem Odilienberg. Dort findet derzeit das Festjahr zum 1.300. Todestag der heiligen Odilia/Ottilia statt, der Schutzpatronin der Region. Außerdem weihte Parolin bei seinem Aufenthalt den neuen Straßburger Weihbischof Gilles Reithinger. Zudem sprach er vor Vertretern von Politik, Religionen und Zivilgesellschaft über die Besonderheiten des Staat-Kirche-Verhältnis in Frankreich und in der Region Elsass-Mosel und traf sich mit Seelsorgern der Straßburger Europa-Pastoral. (rom/KNA)