Bernd Hagenkord
Jesuit und Journalist starb am Montag nach schwerer Krankheit

"Er ging zu früh": Reaktionen auf den Tod Bernd Hagenkords

Bernd Hagenkord starb mit gerade einmal 52 Jahren. Sein Tod hat bei Kirchen- und Medienvertretern große Trauer und Bestürzung ausgelöst. Zahlreiche Stimmen würdigten das vielfältige Wirken des Ordensmannes, Priesters und Journalisten. Katholisch.de gibt einen Überblick.

Bonn - 27.07.2021

Zahlreiche Vertreter aus Kirche und Medien haben bestürzt auf den Tod des Jesuiten Bernd Hagenkord reagiert und sein Wirken gewürdigt. Der Hamburger Generalvikar Ansgar Thim bezeichnete Hagenkord als "starke und unvergessliche Priesterpersönlichkeit". Als Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan sei er ein gefragter Gesprächspartner gewesen, "der sich durch eine klare Sprache und einen unverstellten Blick auf die eigene Kirche auszeichnete", sagte Thim am Montag laut Pressemitteilung des Erzbistums Hamburg. Hagenkord war am Montag im Alter von 52 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) sprach Hagenkords Angehörigen und Weggefährten ihr Beileid aus. Seit Beginn des Synodalen Wegs habe er sich als Geistlicher Begleiter für die Erneuerung der katholischen Kirche eingesetzt, betonte der Verband auf Facebook. Als engagierten und begnadeten Jugendseelsorger, würdigte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Hagenkord auf Twitter. "Wir sind zuversichtlich, dass er nun ohne Schmerzen in der Lebensfülle Gottes zuhause ist."

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, erklärte, für den Jesuiten "war die Einheit der Kirche nicht ohne Bereitschaft zur Veränderung denkbar." Hagenkord gehörte auch dem ZdK an. Sternberg zitierte den Verstorbenen mit den Worten: "Kirche stellt keinen Widerspruch zu demokratischen Verfahren dar. Mir fällt kein fundamentaltheologisches Argument ein, womit Demokratie den Heiligen Geist ausschließen würde."

Jesuit Bernd Hagenkord

Für Hagenkord "war die Einheit der Kirche nicht ohne Bereitschaft zur Veränderung denkbar", sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigte sich erschüttert über den Tod Hagenkords. Dieser sei ein "authentischer Vermittler der Geschehnisse in der katholischen Kirche, insbesondere aus Rom" gewesen. Hagenkord habe als langjährige Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan "anschaulich und mit Tiefgang" den Menschen viele kirchliche Themen und auch Weltereignisse wie zum Beispiel Papstwahlen nähergebracht, so Marx.

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) erinnerte an Hagenkords "kluge Analysen zur Kirchenpolitik, seine Beiträge zu Theologie und Spiritualität und nicht zuletzt den 'Pater-Blog' in den sozialen Medien sowie seine stimmungsvollen Foto-Impressionen seiner langjährigen Wirkungsstätte Rom".

"Wertvolle Erinnerungen"

"Er ging zu früh, wirklich", schrieb Stefan von Kempis, Hagenkords Nachfolger als Leiter der deutschsprachigen Redaktion von "Vatican News", in einem persönlichen Nachruf. Hagenkord sei ein sehr guter Zuhörer gewesen, "mit der warmen Stimme eines Jazzmusikers". Sein Bogen sei nach menschlichem Ermessen noch nicht ausgeschnitten gewesen." Was für uns bleibt von Bernds Vorübergang, ist Schmerz. Viele, wertvolle Erinnerungen. Und tiefer Respekt vor einem vielschichtigen, im Letzten nicht entschlüsselbaren Menschen."

Martin Stark, Leiter der Kommunikationsabteilung der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten, sagte dem Kölner Domradio, er habe Hagenkord als geradlinigen, ehrlichen Menschen, kennengelernt, der auch mit der Kirche gerungen habe, jedoch "ganz ehrlich seinen Glauben gelebt hat und versucht hat, dies auch zu begründen, Antwort zu stehen, sich auch Kritik auszusetzen". Er sei nicht glatt, nicht einfach, aber sehr geradlinig gewesen, so Stark.

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Christian Rutishauser, bis April Provinzial der Schweizer Jesuiten, beschrieb Hagenkord in einem Nachruf auf dem Schweizer Internetportal "kath.ch" als engagierten Katholiken und Ordensmann, "der sich in kritisch-wohlwollender Loyalität und mit eigenständiger Meinung äußerte". Seine Kommentare hätten dem Ringen um kirchliche Identität im gegenwärtigen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch eine Stimme gegeben.

Der Vatikanjournalist Christopher Lamb, Rom-Korrespondent der britischen katholischen Wochenzeitung "The Tablet", würdigte Hagenkord auf Twitter als talentierten Kommunikator. "Er war witzig, klug und konnte immer den Wald vor lauter Bäumen sehen, wenn es um die Kirche ging. Er wird fehlen."

Bätzing: Unverzichtbare Brücke in die säkulare Welt

In einer ersten Reaktion hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Montag seine Anteilnahme am Tod Hagenkords ausgedrückt. "So dramatisch schnell ist die Krankheit vorangeschritten, dass er aus vielen Aufgaben und Bezügen herausgerissen wurde", schrieb Bätzing am Montag an den Vizeprovinzial des Ordens, Pater Jan Roser. Bätzing würdigte insbesondere Hagenkords Arbeit bei Radio Vatikan: "Er war ein ausgezeichneter Journalist, der seinen Beruf gelebt hat. Seine treffenden Kommentare und Analysen als Vatikanexperte haben uns vieles besser verstehen lassen." Der Jesuit sei eine unverzichtbare Brücke in die säkulare Welt gewesen.

Seit 1992 Mitglied des Jesuitenordens, wirkte Hagenkord nach seiner Priesterweihe im Jahr 2002 zunächst als Jugendseelsorger in der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) im Erzbistum Hamburg. Von 2004 bis 2007 war er Sprecher der Jugendseelsorgekonferenz. 2007 wurde er auch zum Bundeskaplan der Schülergemeinschaft im ND (KSJ) gewählt. Von 2003 bis 2012 war er darüber hinaus in der Redaktion des "Jesuiten"-Magazins tätig. Große Bekanntheit erlangte Hagenkord ab 2009 als Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan in Rom, wodurch er für viele Medien zur deutschsprachigen Stimme des Papstes wurde. Im September 2019 wurde er nach Deutschland zurückgerufen, um die Leitung der Kommunität Berchmanskollegs in München zu übernehmen. Parallel übernahm er das Amt des Geistlichen Begleiters beim Synodalen Weg. Hagenkord soll am 2. August auf dem Friedhof seines Ordens in Pullach bei München beerdigt werden. (mal)