Standpunkt

Unsere Enkel werden uns den Klimawandel zum Vorwurf machen

Aktualisiert am 16.08.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Klimawandel wird immer deutlicher spürbar, sogar mitten in Deutschland. Christinnen und Christen müssten die ersten Klimaschützer sein, schreibt Dominik Blum. Doch aus seiner Sicht tun sie zu wenig und streiten lieber über andere Dinge.

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Europäischer All-time-Hitzerekord auf Sizilien in der letzten Woche: Fast 50 Grad Celsius. Kein Wunder, dass die Erde brennt. Gleichzeitig versinkt sie in braunen, reißenden Fluten. Das alles passiert nicht in Südostasien oder Lateinamerika, was ja nicht weniger schlimm wäre. Sondern in Italien, Griechenland und der Türkei, wo wir sonst Urlaub machen. Und vor der eigenen Haustür – in der Eifel, im Rheinland, in Bayern. Der menschengemachte, von uns allen verursachte Klimawandel wird schmerzlich spürbar. Menschen sterben daran, die unsere direkten Nachbarn sind. Wann fangen wir endlich an, etwas dagegen zu tun?

Christinnen und Christen müssten die ersten Klimaschützer sein. Wir haben alles in Kopf, Herz und Händen, was wir dazu brauchen. Aus der Urkunde unseres Glaubens wissen wir, dass die Erde und was auf ihr lebt Gottes gute Schöpfung ist, uns Menschen anvertraut, um alles gut zu verwalten (vgl. Gen 1,27f.).

Wir können aus fundierten kirchlichen Grundlagentexten der jüngsten Zeit wissen, was gerade passiert: "Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar." (Laudato Si, Nr. 25) Wir kennen unsere Verantwortlichkeit in diesem Zusammenhang, nämlich uns "besonders auf die Bedürfnisse der Armen, der Schwachen und der Verletzlichen (zu) konzentrieren, in einer Debatte, die oftmals von den mächtigeren Interessen beherrscht ist" (ebd. Nr. 52).

Als Christinnen und Christen einer Weltkirche sind diese Armen nicht irgendwelche Südeuropäer oder Lateinamerikanerinnen, sondern unsere Schwestern und Brüder. Wir kennen sie, weil sie in unserem Partnerbistum leben, als Missionare aus unserem Bistum stammen, weil wir sie auf dem Katholikentag getroffen haben.

Wir haben in Deutschland immer noch Geld und Einfluss, um als Kirche Vorreiterin des Klimaschutzes zu sein, ganz praktisch: Wir könnten uns selbst verpflichten, so ökologisch wie heute irgend möglich zu bauen, dienstliche Flugreisen zu verbieten, nur noch ökologisch vertretbare Fuhrparks zu haben, klimaneutral zu drucken und zu beschaffen, viel mehr in Umweltbildung und Umweltpädagogik zu investieren. Ja, wir könnten sogar in unseren Bildungshäusern und Tagungshotels nur noch einmal wöchentlich Fleisch anbieten und so den CO2-Ausstoß massiv reduzieren. Könnten wir alles tun.

Die Erde brennt. Die Erde versinkt in braunen, reißenden Fluten. Und wir Christinnen und Christen tun wenig dagegen, sondern streiten über die alte Messe und den Rücktritt von Bischöfen. Das werden uns unsere Kinder und Enkel zum Vorwurf machen, eines Tages.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Dozent für Theologie an der Katholischen Akademie in Stapelfeld.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.