Ein Schweizergardist hat drei Finger seiner rechten Hand zum Schwur erhoben, die linke liegt auf der Fahne der Garde.
Neubau der Kaserne eröffnet neue Möglichkeiten

Medien: Bald auch Frauen in der Schweizergarde?

Die Schweizergarde ringt um Nachwuchs. Der Neubau der Kaserne eröffnet dafür vielleicht bald neue Möglichkeiten: Größere Räumlichkeiten und mehr Privatsphäre könnte auch Frauen den Zugang zur päpstlichen Schutztruppe öffnen – wenn der Papst es will.

Vatikanstadt - 13.09.2021

Die Schweizergarde erwägt offenbar, künftig auch Frauen aufzunehmen. Wie die Schweizer "SonntagsZeitung" berichtet, werde beim Neubau der Kaserne im Vatikan bereits die Möglichkeit von Rekrutinnen bedacht. Gegenüber der Zeitung sagte der Vorsitzende der Stiftung für den Neubau, der ehemalige Präsident der Schweizer Nationalbank Jean-Pierre Roth, dass es von Anfang an ein Anliegen gewesen sei, "dass der Neubau Raum für dienstleistende Frauen bietet". Der mit 50 Millionen Franken (46 Millionen Euro) geplante Neubau werde 25 Prozent mehr Fläche bieten, statt Mehrbettzimmern sollen den Gardisten Einzelzimmer zur Verfügung stehen. Geplant ist, den Neubau im Mai 2027 zum 500. Jahrestag der Plünderung Roms fertigzustellen, bei dem 147 Schweizergardisten bei der Verteidigung des Papstes starben.

Die Präsidentin der Stiftung Schweizergarde, die Schweizer Alt-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold, begrüßte die Diskussion um die Öffnung und zeigte sich zuversichtlich, dass mit dem Neubau die Rahmenbedingungen und dafür gegeben seien. Für die Aufnahme von Frauen spreche auch der erhöhte Bedarf an Rekruten. "Sobald Gardistinnen zugelassen sind, erhöht sich auch das Rekrutierungspotenzial für die Garde", so Metzler-Arnold. Papst Franziskus hatte im Zuge der Reform der Päpstlichen Schweizergarde eine Aufstockung des Sollbestandes von 110 auf 135 Mann verfügt, um einer gewachsenen Gefahrenlage zu begegnen. Um diese Stärke zu halten, sind pro Jahr 30 bis 35 neue Rekruten nötig. Zuletzt war die Zahl der Anwärter besorgniserregend niedrig.

Entscheidung liegt beim Papst

Gegenüber der "SonntagsZeitung" sagte der Pressesprecher der Schweizergarde, Leutnant Urs Breitenmoser, dass sich in der Vergangenheit bereits vereinzelt Frauen beworben hätten. Er könne sich auch vorstellen, künftig Frauen auszubilden. "Es ist denkbar, die Schutztruppe zu öffnen", so Breitenmoser. Die Entscheidung dazu liegt beim Papst.

Die 1506 gegründete Päpstliche Schweizergarde ist das älteste noch bestehende Militärkorps der Welt. Sie ist zuständig für die Sicherheit des Papstes. Neben Personen- und Objektschutz gehören auch Ehrendienste bei Audienzen und anderen Anlässen im Vatikan zu ihren Aufgaben. Als Rekruten kommen derzeit ledige katholische Schweizer Männer zwischen 19 und 30 Jahren in Frage, die sportlich und mindestens 1,74 Meter groß sein müssen. Voraussetzung für die Aufnahme ist ein guter Leumund, eine Berufsausbildung oder ein Mittelschulabschluss sowie die Absolvierung der Rekrutenschule der Schweizer Armee. (fxn)