Zu Eltz: Doktrinären Starrkrampf beim Synodalen Weg abschütteln
Frankfurter Stadtdekan hofft auch auf Kraft des Humors

Zu Eltz: Doktrinären Starrkrampf beim Synodalen Weg abschütteln

Der Synodale Weg geht in die nächste Runde. Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz wünscht sich, dass Konflikte benannt werden, ein Starrkrampf müsse aber verhindert werden. Er vertraut auf die gemeinsame Verständigung und die Kraft des Humors.

Von Norbert Demuth (KNA) |  Frankfurt - 20.09.2021

Der reformorientierte katholische Stadtdekan von Frankfurt, Johannes zu Eltz (63), ist Teilnehmer der zweiten Vollversammlung des Reformdialogs Synodaler Weg in der Mainmetropole Ende September. Er erwartet aufgrund der Vorstöße der vergangenen Wochen einen "heftigen Konflikt" bei den anstehenden Beratungen. In einem Interview sprach zu Eltz über die Debattenkultur bei dem Reformprozess.

Frage: Herr Stadtdekan, eine konservative kirchliche Gruppe um den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht sich beim Synodalen Weg nicht gehört mit ihren Argumenten. Der Synodale Weg könne "in den bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel führen". Könnte es deswegen nun bei der zweiten Synodalversammlung zu einem heftigen Konflikt oder sogar zu einer Spaltung unter den Teilnehmern kommen?

Zu Eltz: Zu einem heftigen Konflikt? Da kann ich nur sagen: hoffentlich! Und zu einer Spaltung: hoffentlich nicht! Allerdings müsste der Konflikt als solcher auch benannt werden, man müsste nicht drumherum reden müssen. Die Leidenschaft, mit der etwa Bischof Voderholzer sich im Plenum eingebracht hat, gefällt mir eigentlich, das ist viel besser als ein kaltblütiges und unberührbares Verhalten.

Frage: Was wäre nötig, um den bestehenden Konflikt zu entschärfen?

Zu Eltz: Es müssten sich alle noch einmal darauf verständigen, dass wir bei den vier Feldern des Synodalen Weges – Macht, Frauen, Zölibat und Sexualität – über Themen reden, bei denen es nicht gleich um letzte Wahrheiten geht. Alle vier Themen haben es mit dem Glauben zu tun, aber überall sehe ich Spielräume, nirgends ist es so festgezurrt, dass man vornherein sagen müsste: darüber reden zu wollen ist dasselbe, wie das Credo in Frage zu stellen.

Frage: Mit welcher Haltung sollten die 230 Teilnehmer der Vollversammlung nach Frankfurt kommen?

Zu Eltz: Es geht darum, einen doktrinären Starrkrampf abzuschütteln. Ich muss mir vorstellen können, dass der andere vielleicht recht hat, und ich am Ende des Gespräches zu einer Überzeugung komme, die ich vorher nicht hatte – die vielleicht das Gegenteil von dem ist, was mich vorher überzeugt hat. Sonst bleibt ja nur, ihn möglichst mundtot zu machen und auszuschalten.

"Mit der Synodalversammlung muss immer wieder eine Vergewisserung einhergehen, dass wir die Basis gemeinsam haben", sagt Johannes zu Eltz.

Frage: Ist das nicht zu optimistisch gedacht? Die Gruppe um Bischof Voderholzer repräsentiert eine kleine, aber hartnäckige Minderheit, die wenig kompromissbereit scheint. Wie kann man sie einbeziehen?

Zu Eltz: Oder sie uns! Nun, den anderen nicht hassen, ihr nicht das Katholisch sein absprechen, die Leidenschaft für das Heil der Seelen, den auf Christus gegründeten Glauben. Sonst ist zu schnell der Eindruck entstanden, dass wir überhaupt keine tragenden Gemeinsamkeiten haben – und ich glaube, das stimmt nicht.

Frage: Wie soll so eine Verständigung rein praktisch aussehen?

Zu Eltz: Mit der Synodalversammlung muss immer wieder eine Vergewisserung einhergehen, dass wir die Basis gemeinsam haben. Damit man merkt: Womit die Kirche steht und fällt, ist unter uns nicht im Streit. So eine gegenseitige Zusicherung hat es bislang noch nicht gegeben.

Frage: Sollte das in der Synodenaula geschehen?

Zu Eltz: Ja, auch, aber das ist schwierig bei so durchgetakteten Veranstaltungen. Leichter geht's im Zwiegespräch am Rande, im kleinen Kreis, in der Pause, bei einem Apfelwein oder einem Spaziergang. Und vor allem beim Beten und Singen, wenn es alle erfasst.

Die Verhärtung und Verstockung ist keine exklusive Versuchung auf der rechten Seite. Die gibt es auf der linken genauso.

Zitat: Johannes zu Eltz

Frage: Vertrauen Sie auch auf das Moderationsgeschick des Synodenpräsidiums?

Zu Eltz: Ja, das auch. Und auf seinen Sinn für Humor. Mal die Luft raus lassen und das Lachen rein. Nicht Gelächter über andere, sondern dass mal die ganze Halle etwas zusammen lustig findet und losprustet. Das hatten wir ein-, zweimal beim ersten Plenum, und das war wunderbar. Plötzlich spürt man: Wir zanken uns hier zwar rum, aber wir sind doch alle Kinder Gottes; wir haben etwas gemeinsam Menschliches und Geistliches, das trägt.

Frage: Sie haben am Sonntag in einem von der Deutschen Welle weltweit übertragenen Gottesdienst gesagt, der Synodale Weg sei die letzte Chance der katholischen Volkskirche in Deutschland. Das impliziert ja auch einen gewissen Druck, der nun auf der Synodalversammlung lastet...

Zu Eltz: Ich spüre den Druck schon, aber nicht in der Weise, dass es jetzt von mir abhängt und meinem synodalen oder außersynodalen Einsatz, ob das gelingt. Also da muss schon Christus selber dafür sorgen, dass seine Kirche nicht absäuft.

Frage: Erwarten Sie Mahnungen aus dem Vatikan vor der Vollversammlung?

Zu Eltz: Mit meiner Rest-Hoffnung auf römische Klugheit hoffe ich, dass sie nicht vorab Disziplinierungsversuche machen und uns einpferchen wollen. Das würde die Leute nur erbittern. Und noch etwas: Die Verhärtung und Verstockung ist keine exklusive Versuchung auf der rechten Seite. Die gibt es auf der linken genauso. Und den blinden Fleck für die eigenen Fehler. Mit einem islamischen Sprichwort: "Eher findet man in einer schwarzen Nacht auf einem schwarzen Stein einen schwarzen Käfer, als den Hochmut im eigenen Herzen."

Von Norbert Demuth (KNA)