Eine große Regenbogenfahne und ein Kreuz
Diskussionsbeitrag aus Synodalforum zur Sexualmoral nachträglich veröffentlicht

Forums-Mitglieder kritisieren Kirche für Umgang mit queeren Personen

Das Verhältnis von vielen queeren Gläubigen zur katholischen Kirche ist nicht leicht. Das beschreiben nun auch drei Mitglieder des Synodalforums zum Thema Sexualmoral. Trotzdem liegt ihnen der Glaube am Herzen.

Bonn - 24.09.2021

Drei Mitglieder des Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" haben die Kirche für ihren Umgang mit homo-, trans- und intersexuellen Menschen scharf kritisiert. Die katholische Kirche sei "ein Ort, wo wir jederzeit damit rechnen müssen, dass unsere Würde und unser Menschsein angegriffen werden", schreiben die Verfasser in einem nun veröffentlichten Text aus dem Juli vergangenen Jahres. Der Beitrag wurde im Dezember 2020 im Sexualmoral-Forum diskutiert, teilten die Autoren Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann und Mara Klein mit, die sich selbst als "queere Gläubige" bezeichnen. Veröffentlicht wurde der Text auf der Internetseite der Initiative "Mein Gott diskriminiert nicht", die 2020 von drei Theologinnen aus Freiburg ins Leben gerufen wurde.

Die Verfasser bekräftigten weiter ihren Wunsch, als "fester, geliebter, vollumfänglich akzeptierter Teil" der Kirche angesehen zu werden, was sie nach ihrer eigenen Auffassung bereits seien. Die Kirche sei in einer "Bringschuld" gegenüber Menschen aus der LGBTQIA+-Community und müsse einen großen Schritt auf diese Personengruppe zugehen. "Die mitunter offene Ablehnung seitens unserer Kirche, der Vorwurf der Sündhaftigkeit unseres Seins und Liebens und das Absprechen unseres Natürlichseins, unseres Gottgewolltseins, machen es uns schwer unseren Glauben zu leben."

Die Forumsmitglieder verurteilten scharf, dass von Katholiken abwertende Bezeichnungen gegenüber Menschen gemacht würden, die der heterosexuellen Norm nicht entsprächen, wie etwa der Begriff "Regenbogenpest". Die Äußerungen der Kirchenführung zu diesem Thema würden von ihnen aufmerksam verfolgt. "Jedes Mal ist es wieder ein Kampf, eine zermürbende Abwägung, ob man diesen tausendsten Nadelstich nun noch aushalten kann." Auch wenn es widersprüchlich klingen möge, gerade in diesen Momenten sei der christliche Glaube auch eine Hilfe für die Betroffenen. Sie würden sich als "Teil Gottes guter Schöpfung" verstehen, auch wenn die Kirche sie ablehne.

Der Text im Wortlaut

Unter nachfolgendem Link finden Sie den Text der drei Mitglieder des Synodalforums IV im Wortlaut.

Die Aufforderung des katholischen Katechismus, Homo-, Trans- und Intersexuelle nicht zurückzusetzen und ihnen mit Mitleid zu begegnen, seinen meist nur "hohle Worte". "Uns soll weisgemacht werden, dass ein 'gottgefälliges' Leben auch für uns möglich sei." Doch daran seien "schier unerfüllbare Bedingungen" geknüpft. Ihnen werde vermittelt, dass queere Liebe "keine wahre Liebe" sei. Ein Aufruf zu einem Leben in Keuschheit seitens des Lehramtes lehnten die Autoren ebenso ab, wie die Unterstützung sogenannter Konversionstherapien für Homosexuelle in bestimmten kirchlichen Kreisen. Auf dem Rücken von queeren Gläubigen würden innerkirchliche und politische Kämpfe ausgefochten, kritisierten sie.

Sie seien froh, beim Synodalen Weg vertreten zu sein, auch wenn ihnen die Teilnahme nicht leichtfalle. Doch die Kirche sei noch auf einem weiten Weg bei diesem Thema. "So lange ein 'Wer bin ich, sie zu verurteilen' ohne konkrete Folgen bleibt, ist uns nicht geholfen", schrieben die Autoren mit Blick auf ein Zitat von Papst Franziskus über Homosexuelle. Eine Person des Autorenteams, Mara Klein, gehört als vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend vorgeschlagenes Mitglied auch der Synodalversammlung an. Das Gremium trifft sich in der kommenden Woche zu seiner zweiten Sitzung in Frankfurt am Main. (rom)