Keine Gefahr eines deutschen Sonderwegs

Bischof Jung verteidigt Reformprojekt Synodaler Weg gegen Kritik

Aktualisiert am 30.09.2021  –  Lesedauer: 

München ‐ Zuletzt war vermehrt Kritik am Synodalen Weg aufgekommen. Würzburgs Bischof Franz Jung weist nun Vorwürfe einer Spaltung der Kirche durch den deutschen Reformprozess zurück – und sieht auch den Papst auf seiner Seite.

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Der Würzburger Bischof Franz Jung hat den Reformdialog Synodaler Weg in der katholischen Kirche gegen Kritik verteidigt. Er sehe nicht die Gefahr eines deutschen Sonderwegs, der zur Spaltung der Kirche beitragen könnte, sagte Jung in einem Interview mit dem Radiosender BR24 (Donnerstag) vor der am Abend beginnenden Vollversammlung: "Der Vatikan hat natürlich auf der einen Seite die Aufgabe, die amtliche Lehre zu vertreten. Auf der anderen Seite hat er die Aufgabe, die Kirche zusammenzuhalten."

Man merke zudem, dass die Fragen keine rein deutschen seien, "sondern das sind auch in anderen Ländern Fragen, die jetzt aufgebrochen sind und die einer Behandlung bedürfen", betonte der Bischof weiter. Ob die Themen dann von der Weltkirche umgesetzt würden, hänge von deren Reichweite ab.

"Natürlich können wir nicht einfach das Zölibat abschaffen..."

"Natürlich können wir nicht einfach das Zölibat abschaffen", so Jung. Man könne aber fragen, was Priestersein heute unter den Bedingungen westlicher Gesellschaften bedeute. Es gehe um grundsätzliche Überlegungen zum Amtsverständnis. Man werde dadurch nicht alles umwerfen, vielmehr sei dies ein grundsätzlicher Diskussionsbeitrag für den Reformdialog der Weltkirche.

Auch die Kritik, im Synodalen Weg würden gleich einem Kirchenparlament Reformen durch Mehrheitsbeschlüsse durchgesetzt, wies der Würzburger Bischof zurück. Stattdessen verwies er auf den von Papst Franziskus ausgerufenen synodalen Prozess auf Ebene der Weltkirche. "Der Papst sagt, es geht um eine synodale Bekehrung der Kirche. Es geht um mehr Mitsprache, es geht um eine große Partizipation jenseits bischöflicher Entscheidungsbefugnisse." Mit dem Wunsch nach mehr Beteiligung der Gläubigen renne man daher offene Türen ein.

In Frankfurt treffen sich von Donnerstagabend bis Samstag die rund 230 Delegierten des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg. Bei ihrer Vollversammlung wollen sie unter anderem über die Themen Macht, Zölibat, Sexualmoral und über die Rolle der Frauen in der Kirche reden. In 16 Papieren geht es teilweise um sehr weitreichende Änderungen. Zentrale Punkte können allerdings nicht in Deutschland umgesetzt werden. Dafür müsste zunächst der Vatikan zustimmen. Hintergrund der Reformbemühungen ist der Skandal sexuellen Missbrauchs, durch den die katholische Kirche viel Vertrauen verspielt hat. Zuletzt war verstärkt Kritik am bisherigen Synodalen Weg aufgekommen. So rief der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eine Homepage mit Alternativvorschlägen zum Reformprozess ins Leben. (tmg/KNA)