Tagung zu neuen Ritualen in Bestattungskultur

Theologe: Tierbestattung kann neue Kasualie werden

Aktualisiert am 12.10.2021  –  Lesedauer: 

Rostock ‐ Im Bereich der Tierbestattungen könne die Kirche mehr machen, fordert der Rostocker Theologie-Professor Thomas Klie. Er hält auch eine neue Form einer kirchlichen Amtshandlung für denkbar – und würde sie gerne selbst entwickeln.

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Die Bestattung eines verstorbenen Haustieres könnte aus Sicht des Rostocker evangelischen Theologen Thomas Klie zu einer neuen Form einer kirchlichen Amtshandlung (Kasualie) werden. Ihn würde es reizen, einen tröstenden Ritus für die Bestattung von Haustieren zu entwickeln, sagte Klie bei einer Veranstaltung zu neuen Ritualen des Bestattungswesen, über die der Evangelische Presse-Dienst (epd) am Montag berichtete.

Die Kirche könne im Bereich der Tierbestattung sicher mehr machen als bisher, so Klie weiter. Es wäre allerdings ein Fehler, wenn sich die Kirche aufdrängen würde. Er schlug vor, beispielsweise Freiflächen auf kirchlichen Friedhöfen für Tierbestattungen umzuwidmen. Tierbestattungen würden jedoch Menschen polarisieren, gab Klie zu Bedenken. Es gebe keinen Konsens, ob Tiere eine Seele haben.

Seit 2015 Bestattungsmöglichkeiten für Mensch und Tier

Unter dem Titel "Ciao Bello" hatten sich Experten auf der Tagung in Rostock unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie Tiersegnungen und Gottesdienste für trauernde Hundehalter zu beurteilen sind. Seit 2015 gibt es auf einigen nichtkirchlichen Friedhöfen demnach die Möglichkeit, Mensch und Tier in einem gemeinsamen Urnengrab bestatten zu lassen.

Einer Umfrage zufolge würden knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten gemeinsame Gräber für Tiere und Menschen befürworten, so Klie. Gerade weil viele Menschen in der Großstadt der Vereinsamung nahe seien, hätten sie den Wunsch, den letzten Weg auch gemeinsam mit ihrem Haustier zu gehen. (cbr)