Bewahrung der Schöpfung eine der "großen moralischen Fragen" dieser Zeit

Falls Klimagipfel scheitern sollte: Papst warnt vor "Gottes Gericht"

Aktualisiert am 11.11.2021  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Vor dem Ende des Weltklimagipfels in Glasgow ruft Papst Franziskus erneut zu raschen und wirkungsvollen Entscheidungen in Sachen Klimaschutz auf: Man dürfe die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, "damit wir nicht vor Gottes Gericht stehen".

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Papst Franziskus hat erneut zu schnellem Handeln beim Klimaschutz aufgerufen und dabei vor einem Scheitern des Weltklimagipfels (COP26) in Glasgow gewarnt. "Die Zeit läuft davon; diese Gelegenheit darf nicht vertan werden, damit wir nicht vor Gottes Gericht stehen, weil wir es versäumt haben, treue Verwalter der Welt zu sein, die er uns anvertraut hat", schreibt das Kirchenoberhaupt in einem Brief an die Katholiken in Schottland, den der Vatikan am Donnerstag veröffentlichte. Franziskus rief die Gläubigen auf, für die Anführer der internationalen Gemeinschaft "Gottes Gaben der Weisheit" zu erflehen, um der Herausforderung des Klimawandels mit konkreten Entscheidungen zu begegnen. Der Text war bereits am Dienstag bei einem Gottesdienst im nordschottischen Coatbridge vom Apostolischen Nuntius in Großbritannien, Erzbischof Claudio Gugerotti, verlesen worden. Anlass der Messe war ein Treffen der schottischen Bischöfe.

Er bedauere, dass eine Reise von ihm zum Weltklimagipfel nicht möglich gewesen sei, schreibt Franziskus weiter. An die schottischen Gläubigen gerichtet betont der Papst, er freue sich, dass sie für seine Anliegen und für ein "fruchtbares Ergebnis dieses Treffens" beteten. Die Bewahrung der Schöpfung Gottes sei eine der großen moralischen Fragen dieser Zeit. Es gelte, sie zu pflegen und als "gemeinsames Haus für unsere Menschheitsfamilie" zu bewahren.

Im Vorfeld des UN-Klimagipfels war über eine Teilnahme des Papstes spekuliert worden. Stattdessen reiste Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vergangen Woche nach Glasgow und trug bei der Konferenz eine Stellungnahme des Pontifex vor. Franziskus mahnte darin, die Welt müsse sich eingestehen, dass sie noch weit von den erklärten Zielen entfernt sei. Schon zu viele Menschen litten unter dem Klimawandel. In naher Zukunft, warnte der Papst, werde die Zahl der Klimaflüchtlinge die von Kriegs- und Konfliktflüchtlingen übersteigen. Dennoch aber brauche es "Mut und Hoffnung", damit "eine wahrhaftige Bekehrung", individuell wie gemeinschaftlich, gelingen könne. Die Konferenz, die unter anderem über die Umsetzung des 2015 in Paris abgeschlossenen Klimaabkommens beraten soll, hatte am 31. Oktober begonnen. Sie dauert noch bis Freitag. (mal)