KLJB: Kirche wird der Schöpfungsbewahrung nicht gerecht
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UN-Klimakonferenz in Glasgow zu Ende gegangen

KLJB: Kirche wird der Schöpfungsbewahrung nicht gerecht

Die UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow geht zu Ende. KLJB-Mitglied und Beobachterin Sophie Utner bezeichnet die dort verfassten Ziele als zu wenig ambitioniert – und ruft die Kirche im katholisch.de-Interview zu einem entschlosseneren Handeln beim Umweltschutz auf.

Von Christoph Paul Hartmann |  Glasgow - 13.11.2021

Die UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow war bis Freitag angesetzt, um das Abschlussdokument wird aber noch gerungen. Sophie Utner von der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Deutschlands war gemeinsam mit anderen Vertreterinnen und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen als Beobachterin vor Ort. Im Interview spricht sie über die Ergebnisse der Konferenz und erklärt, was sie sich von der Kirche wünscht.

Frage: Frau Utner, war diese Konferenz ein Schritt zur Rettung des Klimas?

Utner: Das würde ich noch nicht sagen. Wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Es sieht danach aus, als ob die Länder anstreben, die Erderwärmung auf 1,8 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen - was aber nur erreicht werden kann, wenn alle Versprechen eingehalten werden. Das ist für uns aber eindeutig noch nicht genug. Um das Klima retten zu können, brauchen wir definitiv die 1,5-Grad-Begrenzung, die auch die Forschung fordert. An diesem Ziel sollte festgehalten werden.

Frage: Papst Franziskus hat sich mit deutlichen Worten an die Teilnehmer der Klimakonferenz gewandt: "Diese Gelegenheit darf nicht vertan werden." Haben solche Appelle Wirkung gezeigt?

Utner: Natürlich war es wichtig und gut, dass sich der Papst an die Versammlung gewandt hat. Aber das reicht noch lange nicht aus: In unseren Augen könnte die Kirche sich noch deutlich stärker äußern und handeln. Wir als KLJB haben uns hier schon gut vernetzt, aber wir würden uns noch mehr Partizipation und ein Lautwerden der Kirche wünschen, damit von der Kirche Handeln ausgeht und sie ein Vorbild ist.

In Glasgow wurde über das Weltklima beraten.

Frage: Wie könnte die Kirche eine Konferenz wie diese beeinflussen?

Utner: Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, das ist sehr wertvoll und wichtig und kann großen Einfluss haben. Eine Weltkirche bedeutet, dass man Menschen über Grenzen hinweg vernetzt. Der Glaube vernetzt uns alle, er vereint uns. Viele Menschen, die hier gesprochen haben, haben sich bei ihren Reden auf die Kirche bezogen. Papst Franziskus' Enzyklika "Laudato si" wird immer wieder genannt und es wird deutlich, wie wichtig dieser Text ist. Die Enzyklika spricht für sich und zeigt, wo es gerade auch mit Bezug auf den globalen Süden zu handeln gilt. "Laudato si" könnte auch ein Mittel sein, um den Klimaschutz zu erklären und deutlich zu machen, warum Klimaschutz überhaupt wichtig ist. Der Kirche sollte es am Herzen liegen, sich für die Schöpfung einzusetzen. Im Moment wird sie aus unserer Sicht der Schöpfungsbewahrung nicht gerecht, da muss noch viel mehr passieren.

Frage: Sie haben den globalen Süden und die Bewahrung der Schöpfung als Stichworte bereits genannt. Wurden diese beiden Aspekte bei der Konferenz ausreichend gewürdigt?

Utner: Es war auf keinen Fall ausreichend. Das sieht man allein schon an den zu wenig ambitionierten Zielen, die nur eine 1,8-Grad-Begrenzung vorsehen. 1,5 Grad würde von der Schöpfung noch am meisten bewahren. Gerade der globale Süden war auf der Konferenz unterrepräsentiert. Auch innerhalb der Jugendorganisationen hat der globale Süden nicht die Chance bekommen, seine Stimme so oft erheben zu können, wie es wichtig gewesen wäre. Der globale Norden sieht oft noch nicht, welche extremen Auswirkungen der Klimawandel auf den globalen Süden hat und wie wichtig es wäre, dem eine Stimme zu geben und zu handeln.

Von Christoph Paul Hartmann