Toni Faber ist seit 1999 Dompfarrer der Dompfarre St.Stephan in Wien.
Impfaktion im Stephansdom führe fast zu Zusammenbruch des normalen Betriebs

Wiener Dompfarrer: Habe kein Mitleid mit Ungeimpften

Seit heute gibt es strenge Beschränkungen für Menschen in Österreich, die nicht gegen Covid-19 geimpft sind. Der Wiener Dompfarrer Toni Faber befürwortet diese Maßnahmen – und hat kein Mitleid mit denen, die jetzt zu Hause bleiben müssen.

Wien - 15.11.2021

Der Wiener Dompfarrer Toni Faber hat nach eigener Aussage kein Mitleid mit Ungeimpften, für die am Montag in Österreich ein Lockdown begonnen hat. "Es ist ein geringeres Übel, diejenigen auszugrenzen, die sich noch nicht impfen haben lassen, als für die gesamte Bevölkerung einen Lockdown verordnen zu müssen", sagte Faber im Interview mit "oe24.tv" (Sonntag). Aus seiner Sicht sei der Lockdown für ungeimpfte Menschen ein letzter Anstoß, sich doch für eine Impfung zu entscheiden. "Es ist eine Maßnahme, die schwer in den Alltag eingreift, die uns aber auch zum Nachdenken bringt, die uns auch in der Bereitschaft hoffentlich wachsen lässt, mögliche Mittel gegen diese Pandemie auch für sich persönlich in Angriff zu nehmen und damit auch einen Dienst am Nächsten und einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten", sagte Faber.

Er achte die Überzeugung jedes Menschen, aber es sei wichtig, dass sich mehr Menschen immunisieren ließen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Er selbst wolle dazu beitragen, so Faber. Für Impfgegner werde es hart bleiben. "Wenn die völlig überzeugt sind, das nicht zu machen, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten wollen, dann müssen sich die im Lockdown mit Dingen beschäftigen, wo sie vielleicht ihre Gedanken noch einmal neu ordnen, vielleicht einen Schritt zurückgehen, neu überdenken und eine Alternative suchen."

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Angesprochen auf die Impf-Station im Wiener Stephansdoms sagte Faber, dass der "normale Betrieb" im Dom in den vergangenen Tagen beinahe zusammengebrochen sei, weil viele hundert Menschen für eine Impfung angestanden hätten. Täglich würden sich aktuell 700 bis 800 Menschen im Wiener Stephansdoms gegen Covid-19 impfen lassen, über die Hälfte davon seien Erstimpfungen – mit steigender Tendenz, so Faber. Bereits im August hatte eine Impfaktion in der Kathedrale begonnen, die auch für Kritik gesorgt hatte. "Der Stephansdom ist ein geeigneter Ort, um daran zu erinnern, dass impfen etwas mit Selbstschutz, Nächstenliebe und andere zu schützen zu tun hat, deshalb glauben wir, dass der Stephansdom dafür ein guter Platz ist", hatte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn bei der Eröffnung der Impfaktion gesagt. Für die Kritik, dass nun im Dom geimpft wird, habe er zwar Verständnis, aber "der Dom war immer Zuhause für viele Menschen und ist offen für die Menschen".

Seit Montag herrschen in Österreich strenge Beschränkungen für Menschen, die nicht gegen Covid-19 geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen sind. Sie dürfen ihr Zuhause nur noch in Ausnahmefällen verlassen, etwa für Einkäufe, die Arbeit oder den Weg zum Arzt. Die Ausgangsbeschränkungen sind zunächst auf zehn Tage befristet, für Schüler gelten die Maßnahmen nicht. Das Verlassen des Wohnbereichs ist laut der am Sonntagabend verabschiedeten Covid-19-Schutzverordnung auch für "die Befriedigung religiöser Grundbedürfnisse, wie Friedhofsbesuche und individuelle Besuche von Orten der Religionsausübung" zulässig. In der katholischen Kirche gelten allerdings verschärfte Corona-Regeln, etwa das verpflichtende Tragen einer FFP-2-Maske bei öffentlichen Gottesdiensten und ein 3-G-Nachweis für die liturgischen Dienste. (cbr)