Diese kleine Pfarrkirche kann auch virtuell besucht werden
Bild: © _df
Projekt "Digitale Kirche" programmiert Internet-Rundgang

Diese kleine Pfarrkirche kann auch virtuell besucht werden

Nicht nur Kathedralen, sondern auch eine kleine Pfarrkirche virtuell begehbar machen? Bruno Zaugg hat das im münsterländischen Olfen verwirklicht. Im Interview mit katholisch.de erläutert er seine Beweggründe sowie Details zur Umsetzung des Projekts.

Von Teresa Rudel |  Olfen - 20.11.2021

Die Gemeinde St. Vitus im münsterländischen Olfen hat unter der Überschrift "Digitale Kirche" ihr Gotteshaus ins Netz gebracht. Jeder kann in der Kirche nun virtuell einen Rundgang machen. Umgesetzt hat das Bruno Zaugg und damit eine Möglichkeit der Besichtigung geschaffen, die es bisher nur in Kathedralen gibt. Zaugg leitet eine Firma, die sich unter anderem mit Raumerfassung und Virtual Reality beschäftigt. Im Interview berichtet er von der Entstehung des Projekts

Frage: Herr Zaugg, wie sind Sie auf die Idee für das Projekt "Digitale Kirche" gekommen?

Zaugg: Virtuelle Rundgänge und die digitale Abbildung von Räumen sind schon länger Teil unseres Berufs, allerdings für andere Branchen wie den Immobilienhandel oder um Baufortschritte zu dokumentieren. Die coronabedingten Schließungen von öffentlichen Gebäuden haben uns dann in neue Richtungen geführt. Erste Gespräche führten wir mit dem katholischen Kindergarten hier in Olfen. Vorabbesichtigungen von Kindergärten konnten plötzlich nicht mehr stattfinden. Die Eltern sollten so dennoch die Möglichkeit haben, einen Einblick in die Räumlichkeiten zu erhalten. Darüber haben wir auch mit unserem örtlichen Pastor gesprochen und die Idee der digitalen Kirche ist entstanden. Die Kirche sollte für die Gemeinde auf diesem Weg interaktiv zugänglich gemacht werden, der historische Hintergrund des Gebäudes und aktuelle Pfarrinformationen auf spannende Weise vermittelt werden. Ich saß schon oft in Kapellen, Kirchen und Kathedralen und hätte gerne mehr über die Gemälde, Motive der Bleiglasfenster, Skulpturen oder die Architektur erfahren. Mit der virtuellen Kirche haben wir die Möglichkeit, diese Informationen zu vermitteln.

Bild: © _df

Bruno Zaugg leitet eine Firma, die sich unter anderem mit Raumerfassung und Virtual Reality beschäftigt.

Frage: Mit wie viel Aufwand war die Verwirklichung des Projekts verbunden?

Zaugg: Der Aufwand ist relativ überschaubar. Wir haben in einem ersten Schritt den Altarraum, das Hauptschiff und die zwei Seitenschiffe abgebildet, mit knapp 50 Aufnahmepunkten waren diese Bereiche innerhalb eines halben Tages erfasst. Danach ging es in die Nachbearbeitung, bei der Aufnahmefehler manuell korrigiert wurden. Anschließend haben wir diverse Infopunkte in das Modell gesetzt und mit Texten, Videos, Bildern, weiterführenden Links oder Audiodateien befüllt. Das hat nochmal zwei Tage in Anspruch genommen. Insgesamt vergingen von der ersten Besprechung mit Pastor Ulrich Franke bis zur Onlineschaltung keine zwei Wochen. Das Projekt wurde also ziemlich schnell umgesetzt und kann nun nach Bedarf weiter ausgebaut werden. Im Raum steht, ob noch weitere Bereiche erfasst werden, die sonst nicht zugänglich sind. Zum Beispiel die Sakristei, der Glockenturm, die Orgelempore oder das Pfarrhaus. Aber auch da bleibt der Aufwand im Rahmen. Ein weiterer Tag für die Aufnahmen und höchstens zwei für die Nachbearbeitung werden reichen. Die Verwaltung der Texte, Bilder und Videos kann zudem durch Mitarbeiter der Pfarrgemeinde vorgenommen werden.

Frage: Was gibt es bei dem digitalen Rundgang denn alles zu entdecken?

Zaugg: Der Altarraum, das Haupt- und Seitenschiff können selbständig erkundet werden, als würde man durch die Kirche spazieren. Zu sämtlichen Gemälden, Skulpturen und Objekten, wie dem Taufbecken, der Orgel, dem Altarbereich oder dem Namensgeber der Kirche gibt es detaillierte Hintergrundinformationen. Neben Texten und historischen Fotografien finden sich weiterführende Links, erklärende Videos und demnächst eine Originalaufnahme des Orgelspiels innerhalb des Rundgangs wieder.

Bild: © _df

Mit knapp 50 Aufnahmepunkten wurde die Pfarrkirche ins Internet gebracht.

Frage: Sie sprachen davon, dass Ihre Kirche in dieser Hinsicht ein Musterbeispiel sei. Was gilt es Ihrer Meinung nach zu beachten, wenn man ein solches Projekt in der eigenen Gemeinde ins Leben rufen möchte?

Zaugg: Grundsätzlich müssen alle involvierten Personen offen und motiviert sein, ihr Wissen mit in das Projekt einzubringen. Mitarbeiter, Pastor und Kirchenvorstand müssen den Schritt hin zu einer digitalen Kirche mittragen.

Für die praktische Umsetzung braucht es nicht viel: Eine aufgeräumte Kirche und ein paar ruhige Stunden innerhalb der Räumlichkeiten. Die äußeren Gegebenheiten spielen keine so große Rolle. Wir empfehlen die Erfassung in der Dämmerung, mit einer gut ausgeleuchteten Kirche - wobei die Sonneneinstrahlung in Olfen eine fast noch schönere Stimmung geschaffen hat. Nach der Erfassung ist es natürlich sehr hilfreich, wenn uns jemand zur Seite steht, der uns bei Informationen über die jeweiligen Objekte behilflich sein kann.

Frage: Was für weitere Möglichkeiten ermöglicht eine digitale Kirche?

Zaugg: Durch den virtuellen Rundgang kann man die Kirche immer und von überall besichtigen, auch Räume, die sonst nicht zugänglich sind. Das Einbinden von direkten Kontaktmöglichkeiten, Terminvereinbarungen, Veranstaltungskalendern, News, Fragen & Antworten oder die Integration von Social-Media-Kanälen kann einen zusätzlichen Mehrwert schaffen. Zudem sehen wir gerade auch im baulichen Bereich interessante Möglichkeiten um den "Ist-Zustand" der Kirche vor, während oder nach Umbau- oder Sanierungsarbeiten zu erfassen.

Von Teresa Rudel