Am Mittwoch ertranken 27 Menschen bei der Überfahrt im Ärmelkanal

Erzbischof von Westminster fordert sichere Routen für Flüchtlinge

Aktualisiert am 26.11.2021  –  Lesedauer: 
Der britische Kardinal Vincent Nichols bei einer Pressekonferenz im Vatikan
Bild: © KNA

London ‐ In dieser Woche sind 27 Menschen im Ärmelkanal ums Leben gekommen, als sie mit ihrem Boot von Frankreich nach Großbritannien übersetzen wollten. Der Erzbischof von Westminster sieht in dem Fall einen Weckruf zum Handeln.

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Der Erzbischof von Westminster hat nach dem Tod von 27 Migranten im Ärmelkanal mehr Bemühungen der Politik gefordert. Notwendig sei "eine fokussierte internationale Zusammenarbeit, sichere Routen zu einem Zufluchtsort und gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung von Armut", sagte Kardinal Vincent Nichols dem "Tablet" am Donnerstag. Der Tod der Menschen illustriere "sowohl die rücksichtslose Boshaftigkeit der Schlepper als auch die Verzweiflung jener, die Armut, Konflikten oder Verfolgung entfliehen wollen und ein besseres Leben suchen".

Am Mittwoch war ein Boot mit Geflüchteten gekentert, die von Frankreich aus den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien überqueren wollten. 27 Menschen ertranken, zwei kamen ins Krankenhaus – es war der Unfall mit den meisten Todesopfern im Ärmelkanal seit sieben Jahren. Solche Überfahrtsversuche gibt es immer wieder. In diesem Jahr sind bereits 26.000 Menschen an der britischen Küste angekommen, das Dreifache des Vorjahreswerts. Großbritannien wirft Frankreich vor, nicht genug dagegen zu tun. Gleichzeitig hat das Vereinigte Königreich seine Asylpolitik verschärft: So dürfen Menschen, die illegal ins Land kommen, keinen Asylantrag mehr stellen. Zudem gibt es Überlegungen, zu Pushbacks zu greifen, also Boote auf offener See abzudrängen.

Kritik daran kam vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst im Vereinigten Königreich: "Während verzweifelte Menschen im Ärmelkanal ertrinken, entwickelt die Regierung Pläne für Pushback-Taktiken, die so gefährlich sind, dass sie für den Fall, dass mehr Menschen ertrinken, Immunität vor Strafverfolgung für Beamte der Grenzstreitkräfte erwägt", sagte die Leiterin Sarah Teather. Die "St Vincent De Paul Society of England and Wales" beklagte, solche Überfahrten gäbe es in Ermangelung eines anderen Weges für Migranten ohne Papiere, ins Land zu kommen. Sie forderte ein "besseres, faireres und barmherzigeres System". (cph)