Standpunkt

Kein Papst-Pardon für Bischöfe – jedenfalls beim Zölibat

Aktualisiert am 03.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Nur eine Woche hat Papst Franziskus für die Annahme des Rücktritts vom Pariser Erzbischof gebraucht. Es entsteht ein verheerender Eindruck, kommentiert Felix Neumann: Beim Zölibat wird durchgegriffen, wo beim Umgang mit Missbrauch Nachsicht herrscht.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Eine Woche dauerte es vom Angebot bis zur Annahme des Rücktritts des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit. Die Geschwindigkeit verwundert – in anderen Fällen lässt sich der Papst oft weit mehr Zeit als die drei Monate, die das Kirchenrecht als reguläre Frist für die Annahme von Rücktritten vorsieht. Bischofsrücktritte sind ein Feld, auf dem der Papst seine volle Souveränität regelmäßig ausspielt: Es gibt kein geordnetes Verfahren, keine Kriterien, wie und wann entschieden wird. Transparenz über die Entscheidungsgründe gibt es nur dann, wenn eventuelle Briefwechsel veröffentlicht werden.

Im Fall Aupetit ist daher auch nicht bekannt, was den Ausschlag gab für die schnelle Entscheidung. Von ihm selbst angeführte, aber dementierte Gerüchte über eine angebliche Liebesbeziehung stehen ebenso im Raum wie Vorwürfe einer zu rigiden Amtsführung: Im Mai waren beide Generalvikare der Diözese zurückgetreten, ohne dass die Gründe dafür bekannt sind, im Umgang mit der Schließung von Einrichtungen und in der Personalführung ist von Spannungen die Rede. Bewerten kann man das rasche Handeln des Papstes nur von außen – und der Anschein ist befremdlich angesichts der Nachsichtigkeit, die Papst Franziskus Bischöfen entgegengebracht hat, die sich nach dem Nachweis von falschem Umgang mit Missbrauch reumütig gezeigt haben.

Möglicherweise hat der Papst mehr Informationen, als aus der Presse bekannt sind. Möglicherweise wiegt die anscheinende Zerrüttung des Erzbistums Paris schwerer als die boulevardtauglichen Vorwürfe eines Zölibatsbruchs – und es wäre ein Fortschritt, wenn Bischöfe für die Zerrüttung ihres Bistums in Verantwortung genommen würden. Möglicherweise hat der Papst noch ganz andere Gründe, die nur er und der nun emeritierte Erzbischof kennen. Solange das nicht transparent gemacht wird, bleibt der böse, aber leider plausible Schein: Angebliche Zölibatsverstöße wiegen für den Papst schwerer als tatsächliche Versäumnisse beim Umgang mit Missbrauch.

Von Felix Neumann

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und Mitglied im Vorstand der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.