Allgemeine Impfpflicht als letztes Mittel

RKI-Chef Wieler: Glaube erleichtert mir Aufgaben als Wissenschaftler

Aktualisiert am 17.12.2021  –  Lesedauer: 

Hamburg ‐ Sein Gesicht ist quasi täglich in den Nachrichten: Doch RKI-Präsident Lothar Wieler ist nicht nur Corona-Experte, sondern auch gläubiger Katholik. Nun spricht er darüber – und sagt, ob er an Weihnachten in die Kirche geht.

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht seine wissenschaftliche Arbeit im Einklang mit seinem katholischen Glauben. "Der Glaube gibt mir ein Fundament, ein gewisses Gottvertrauen", sagte er dem "Spiegel" in einem am Freitag online veröffentlichen Interview. Er habe ein christliches Menschenbild und lege Wert darauf, die Schöpfung zu achten und zu wahren. "Das erleichtert mir meine Aufgabe als Wissenschaftler, Krankheit und Tod möglichst zu verhindern", sagte der 60-Jährige.

Ob er an Weihnachten in die Kirche geht, will der Katholik kurzfristig je nach Lage in der Corona-Pandemie entscheiden: "Es wird davon abhängen, wie hoch die Inzidenzen in meiner Berliner Gemeinde sein werden und wie ein Hygienekonzept in der Kirche durchgesetzt werden soll. Ich entscheide spontan, je nach Lage." Auf die Frage, ob sein christliches Menschenbild wegen der Bedrohungen während der Corona-Pandemie ins Wanken geraten sei, sagte Wieler: "Ach was, um Gottes Willen, nein."

Impfpflicht als das letzte Mittel

Weiter wünscht sich Wieler eine ergebnisoffene Diskussion über die allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus. "Eine Pflicht sollte das letzte Mittel sein, wenn alle anderen ausgeschöpft sind", sagte der RKI-Präsident. Wieler: "Ich glaube, dass es immer noch der bessere Weg ist, die Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen." Er habe aber gehofft, dass der Anteil der Geimpften höher sein würde, daher müsse über eine Impfpflicht nachgedacht werden. "Es gibt bei uns etwa elf Millionen Erwachsene, die ungeimpft sind, obwohl wir ausreichend fundierte Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit haben", sagte der RKI-Präsident.

Bundestag und Bundesrat hatten in der vergangenen Woche eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen beschlossen, um Menschen unter anderem in Pflegeheimen und Kliniken zu schützen. Vermutlich auf der Grundlage fraktionsübergreifender Anträge soll der Bundestag im nächsten Jahr über eine allgemeine Impfpflicht debattieren. Aus Sicht Wielers könnte das "sogar eine Sternstunde des Bundestags werden". Er persönlich sei der Ansicht, "dass Leben und Gesundheit von Millionen Menschen ein höheres Gut sind als der Schutz Einzelner vor einer Injektion". (tmg/epd)