Deutschland soll sich von anderen Ländern inspirieren lassen

Theologe Müller: Eigener Ausbildungsweg für Katecheten notwendig

Aktualisiert am 27.12.2021  –  Lesedauer: 
Pastoraltheologe Philipp Müller
Bild: © Privat

Freiburg ‐ Braucht es in Deutschland eine eigene Ausbildung für Laien-Katecheten? Ja, sagt Philipp Müller: Geschulte Ehrenamtliche seien eine wichtige Ergänzung für die zukünftige Pastoral. Der Pastoraltheologe hat dabei konkrete Modelle aus dem Ausland vor Augen.

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Der Mainzer Pastoraltheologe Philipp Müller betrachtet ein eigenständiges Katechetenamt als wichtige Ergänzung der Seelsorge. Die Bischöfe sollten daher auch in Deutschland einen eigenen Ausbildungsweg für ehrenamtliche Katechetinnen und Katecheten einrichten, schreibt Müller in der "Herder-Korrespondenz" (Januar-Ausgabe). Wenn "die Pfarreien und pastoralen Räume zunehmend größer und unübersichtlicher werden, werden die Gemeinden vor Ort für Personen dankbar sein, die sich eine Expertise auf dem Gebiet der Katechese angeeignet haben und bereit sind, sie ehrenamtlich einzubringen", so der Pastoraltheologe.

Hintergrund ist die von Papst Franziskus im Mai dieses Jahres mit dem Motu Proprio "Antiquum ministerium" geschaffene Möglichkeit, Laien dauerhaft für den "Dienst des Katecheten" zu beauftragen. Mitte Dezember veröffentlichte die Gottesdienstkongregation hierzu einen Ritus für die bischöfliche Beauftragung. In Deutschland wurde die Neuregelung eher verhalten aufgenommen. Kritiker hatten darauf hingewiesen, dass es mit den Pastoral- und Gemeindereferenten hierzulande bereits hochqualifizierte und beauftragte Laienmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gebe. Außerdem könnten sich Personen durch den neuen Dienst vor den Kopf gestoßen fühlen, die sich bisher ehrenamtlich in die Sakramentenkatechese eingebracht hätten.

Fehlende Bildungsangebote für Ehrenamtliche

Müller überzeugen diese Argumente gegen eine Einführung der Laienkatechten allerdings nicht: Es könne natürlich nicht darum gehen, "dass bischöflich beauftragte Katechetinnen und Katecheten die bisher Engagierten verdrängen". Auch dürfe eine solche Beauftragung nicht zum "Instrument bischöflicher Machtausübung" werden – etwa mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene. Es sei aber frappierend, dass es für Menschen, die mit Freude eine Erstkommunion- oder Firmgruppe leiten, bislang keine Bildungsangebote gebe, so Müller. Diese Lücke könne durch eine eigene Ausbildung geschlossen werden. "Für ehrenamtliche Katecheten kann dieser Mehrwert sein: sich Inhalte des Glaubens vertieft aneignen und sie kompetent an andere weitergeben, ein guter Ausgleich zum beruflichen Alltag, soziale Kontakte, Anerkennung", schreibt der Pastoraltheologe.

Bei der Entwicklung eines Ausbildungskonzepts sollten sich die deutschen Bischöfe von der Pastoral anderer Länder inspirieren lassen, die in diesem Bereich erfahren seien. So hätten etwa im Erzbistum Chicago bereits mehr als 600 Personen das vor gut zehn Jahren eingeführte Programm "Fostering faith" (Den Glauben pflegen) durchlaufen und sich zu ehrenamtlichen Katecheten ausbilden lassen. Die Erfahrungen in den USA machten Mut, "sich auch bei uns an ein vergleichbares Projekt heranzuwagen – nicht um das Bisherige abzuwerten, sondern um es zu ergänzen", so Müller. (mfi)