Harte Worte für Kritiker von synodalen Prozessen

Kardinal Tobin: Ablehnung von Komplexität ist eine Form von Häresie

Aktualisiert am 13.01.2022  –  Lesedauer: 

Chicago ‐ Weltweit laufen mehrere synodale Prozesse – und immer wieder gibt es Kritik daran. Newarks Kardinal Joseph Tobin plädiert dafür, aufeinander zu hören. Für diejenigen, die mit Komplexität nicht umgehen wollen, findet er harte Worte.

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Der US-Kardinal Joseph Tobin hat Kritiker von synodalen Prozessen kritisiert. "Meine Lieblingsdefinition von Häresie ist die Ablehnung vom Umgang mit Komplexität", sagte der Erzbischof von Newark in einer Ansprache zur "Cathedral Ministry Conference" am Dienstag. Beim Blick auf große Häresien in der Kirche werde klar, dass "sie nicht das eine oder andere akzeptieren konnten, sie wollten mit dieser Spannung nicht leben".

Es gebe eine essentielle und eine notwendige Spannung in vielen Bereichen des Lebens. Wenn man diese Spannung zerstöre, so Tobin, "wird die Kirche, werden die Sakramente, wird das Wort Gottes etwas anderes. Es ist nicht länger das Wort Gottes". Tobin bezog sich in seinem Vortrag auf die Synodalität und den weltweiten synodalen Prozess. Darin sei das Hören aufeinander "essentiell für unser gemeinsames Wachstum im Leib Christi".

"Nostra Aetate" als Beispiel

Tobin führt als Beispiel ein Treffen des jüdischen Historikers Jules Isaacs und Papst Johannes XXIII. im Jahr 1960 an. Dabei war es um den Beitrag der Kirche zum Antisemitismus und der Wegbereitung des Holocaust gegangen. Am Ende habe das zur Erklärung "Nostra Aetate" geführt, die das Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum auf eine neue Grundlage gestellt hat. "Was Papst Johannes getan hat konnte er nur, weil er zugehört hat", so Tobin. "Er hat einer Stimme zugehört, die er niemals im Vatikan oder irgendeiner katholischen Kirche gehört hätte. Er hat jemandem zugehört, der tief verletzt wurde." Heute ermutige Papst Franziskus dazu, an die Ränder zu gehen und nach den Stimmen zu suchen, die zur Kirche von heute sprechen können.

"Je länger und weiter wir gemeinsam unterwegs sind, desto mehr begegnen wir einander, desto mehr wird alles klarer." Gemeinsam mit Franziskus ständen die Begriffe Gnade, Freude, Wahrnehmung und Dialog im Zentrum.

Tobin zeigte sich hoffnungsvoll, dass die Kirche ihre Türen öffnen und zuhören könne. Doch dieser Weg sei nicht einfach. "Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um die DNA der Kirche in dieser Weise des Kirche-Seins zu kodieren." (cph)