Essens Bischof Franz-Josef Overbeck
Ungeimpfte dürften nicht nur ihre Individualrechte im Blick haben

Bischof Overbeck: Kirche hat Pflicht, für Corona-Impfungen einzutreten

Ist die Entscheidung zu einer Corona-Impfung einzig eine persönliche mit Blick auf die Individualrechte? Mitnichten, sagt Bischof Franz-Josef Overbeck. Es gehe um weit mehr – und daher müsse auch die Kirche Partei ergreifen.

Köln - 13.01.2022

Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat bei einem internationalen Soldatengottesdienst im Kölner Dom für Impfungen gegen das Coronavirus geworben. Bei der Entscheidung über eine Impfung gehöre es "zur Pflicht eines jeden, nicht nur sich selbst und seine Individualrechte, sondern auch die Rechte der Gemeinschaft genauso zu erwägen und in Anschlag zu bringen", sagte der Essener Bischof am Donnerstag. Eigenverantwortung und Gemeinschaftsverantwortung seien ungetrennt miteinander verbunden. "Darum hat jeder Mensch die Pflicht, sich so zu verhalten, dass er anderen nicht schadet."

Nach medizinischer und naturwissenschaftlicher Expertise schützten geimpfte Menschen mehr vor Erkrankungen als Nichtgeimpfte, erklärte Overbeck. "Darum ist es sowohl die Verantwortung jedes Einzelnen als auch die Verantwortung vor allem des Staates, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst wenig Schaden entsteht", sagte der Bischof. "Hier steht auch die Kirche in der Pflicht, für Impfungen einzutreten – nicht nur einzig der Abwägung der moralischen Güter wegen, sondern auch bezüglich der Entscheidungen für das Allgemeinwohl."

Gemeinschaftliches Ethos entwickeln

Overbeck plädierte dafür, immer ein gemeinschaftliches Ethos zu entwickeln. Der Schutz der unverrückbaren Würde eines einzelnen Menschen sei immer zusammen zu denken mit dem Schutz der gesamten Gemeinschaft. Dies zeige sich im Besonderen auch am soldatischen Ethos. "Dies bedeutet, Gerechtigkeit nicht nur im Blick auf die je einzelne Person walten zu lassen und sich für einzelne einzusetzen, sondern immer auch die Rechte der anderen zu schützen, gleichzeitig aber die Gemeinschaft vor der Gewalttätigkeit anderer wiederum in Schutz zu nehmen und größeren Schaden abzuhalten."

Zum Internationalen Soldatengottesdienst laden seit 1977 das Katholische Militärbischofsamt und die Katholische Militärseelsorge ein. Die Feier, an der auch Beamte der Bundespolizei teilnehmen, bezieht sich auf das jeweilige Leitwort des internationalen Weltfriedenstags, den die katholische Kirche am 1. Januar begeht. Das Motto lautet in diesem Jahr "Dialog zwischen den Generationen, Erziehung und Arbeit: Werkzeuge, um einen dauerhaften Frieden aufzubauen". Pandemie-bedingt wurde der Gottesdienst im Kölner Dom nur mit rund 230 geladenen Gästen gefeiert. (KNA)