Papst Franziskus im Portrait
Franziskus gibt Vatikan-Medien erstmals ein eigenes Interview

Papst über Josef und Jesus: Ein guter Vater weiß sich zurückzunehmen

Premiere für die Vatikan-Medien "Osservatore Romano" und "Vatican News": Zum ersten Mal gab ihnen Papst Franziskus ein eigenes Interview. Darin sagt er unter anderem, was den Ziehvater Jesu, Josef von Nazareth, zum Vorbild für alle Väter macht.

Vatikanstadt - 13.01.2022

Erstmals hat Papst Franziskus den Vatikan-Medien "Osservatore Romano" und "Vatican News" ein eigenes Interview gegeben. In dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch geht es um Josef von Nazareth und Jesus sowie die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. "Ein guter Vater", so der Papst, verstehe es, "sich im richtigen Moment zurückzunehmen, damit sein Sohn mit seiner Schönheit, mit seiner Einzigartigkeit, mit seinen Entscheidungen, mit seiner Berufung hervortreten kann".

Freiheit zu geben und zu lassen sei nicht nur einer der schönsten Aspekte von Vaterschaft, sondern von Liebe überhaupt, so Franziskus. Die väterliche Beziehung zwischen Josef und Jesus habe dessen Leben so sehr beeinflusst, dass seine spätere Verkündigung auch davon geprägt gewesen sei.

"Nach dem Vorbild Josefs", sagte Franziskus, "müssen wir uns fragen, ob wir in der Lage sind, einen Schritt zurückzutreten und zuzulassen, dass andere und vor allem die uns Anvertrauten in uns einen Bezugspunkt, aber niemals ein Hindernis finden". Diese gelte für leibliche wie geistige Väter.

"Echter Vater sagt dir nicht, dass immer alles gut gehen wird"

Gute Vaterschaft ermutige Menschen zu großen Entscheidungen, einschließlich ihrer Folgen und Risiken. "Ein echter Vater sagt dir nicht, dass immer alles gut gehen wird", so der Papst weiter; "sondern dass du selbst dann, wenn du in eine Situation gerätst, in der es nicht gut läuft, in der Lage sein wirst, dies und sogar die Misserfolge mit Würde zu ertragen und zu leben."

Zwei Charakterzüge machen nach Ansicht des Papstes den biblischen Josef zum Vorbild für Männer: zum einen seine "ausgeprägte Spiritualität, die sich im Evangelium in den Traumgeschichten niederschlägt". Der zweite wichtige Zug seine "äußerste Sachlichkeit" gegenüber Problemen und dass er "sich angesichts von Schwierigkeiten und Hindernissen nie in eine Opferrolle flüchtet".

Seit Mitte November befasst sich der Papst in seinen Katechesen bei der wöchentlichen Generalaudienz mit der biblischen Figur des Josef von Nazareth. Am 8. Dezember war ein eigenes "Jahr des heiligen Josef" zu Ende gegangen. Jorge Bergoglio gilt als Verehrer des Ziehvaters Jesu. Er habe "schon immer eine besondere Verehrung für den heiligen Josef gehegt", bekannte der Papst in dem Interview. (KNA)