Gläubige müssten sich mit Verantwortung für sexuellen Missbrauch beschäftigen

Pastoralreferenten beim Synodalen Weg: Keine Angst vor roten Linien

Aktualisiert am 31.01.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ Klare Positionen und keine "Beruhigungspillen" oder abgemilderte Textvorschläge – das fordern vier Vertreter der Synodalversammlung. Manchmal sei es vielleicht sogar besser, wenn ein zugespitzter Text einmal keine Mehrheit finde.

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Vier Pastoralreferenten und Mitglieder der Synodalversammlung haben sich für deutliche Reformschritte ohne "Tabus" beim Synodalen Weg ausgesprochen. "Keine Angst vor römischer Zurückweisung, keine Sorge vor Spaltung und keine Rücksichtnahme auf traditionell Denkende darf uns aufhalten, wenn es um die Korrektur von Leid erzeugenden Machtstrukturen, Reformen in der Sexualmoral und um die Beendigung der Diskriminierung von Frauen in der Kirche geht", schreiben Konstantin Bischoff, Esther Göbel, Marcus Schuck und Susanne Schuhmacher-Godemann in einem Gastbeitrag auf "feinschwarz.net" (Montag).

Manche würden in diesen Erneuerungen die Gefahr sehen, dass "rote Linien" überschritten würden. "Wir sagen: Wer die Menschenrechte nicht akzeptiert, stellt sich gegen den Grundkonsens unserer demokratischen Gesellschaft – und gegen den Kern des Evangeliums", schreiben die Synodalen. Kirchliche Lehraussagen, die diskriminierend, sexistisch und homophob seien, müssten daher geändert werden.

"Unser Vertrauen auf den Heiligen Geist muss groß genug sein"

Der Erfolg des Synodalen Wegs liege aus Sicht der vier Synodalen allerdings nicht nur im Beschließen von Reformtexten, sondern auch im Verdeutlichen von Diskrepanzen. "Vielleicht ist es sogar besser, dass ein zugespitzter Text einmal keine Mehrheit findet, als dass ein Text zu sehr abgeschwächt wird, um die erforderliche Zustimmung zu finden", so Bischoff, Göbel, Schuck und Schumacher-Godemann. "Unser Vertrauen auf den Heiligen Geist muss groß genug sein, dass die Unterscheidung der Geister u.U. länger dauert als ein paar Synodalversammlungen." Es gelte daher, klare Forderungen zu stellen und keine "Beruhigungspillen" und Texterfolge um jeden Preis zu akzeptieren.

Darüber hinaus appellieren sie an eine Bewusstseins- und Haltungsänderung aller Gläubigen und einer Auseinandersetzung mit der Verantwortung für sexuellen Missbrauch. Es dürfe nicht darum gehen, die Schuld der Täter zu vergemeinschaften, die Taten begangen, vertuscht oder Strafen vereitelt hätten. "Zugleich aber gab und gibt es bis heute Menschen, die Missbrauch nicht wahrhaben wollen, bewusst wegschauen, Betroffenen nicht glauben oder sie gar als Nestbeschmutzer:innen diffamieren." Es gehe nicht nur darum, die Strukturen zu verändern, sondern glaubhaft in Tat und Wort an der Seite der Betroffenen zu stehen. (cbr)