DBK-Vorsitzender befürchtet, Paradigmenwechsel habe bereits begonnen

Bischof Bätzing kritisiert erneut Gerichtsentscheidung zu Selbsttötung

Aktualisiert am 13.02.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt ‐ 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot zur geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung gekippt. Der DBK-Vorsitzende Bischof Bätzing kritisierte die Entscheidung nun erneut – und sieht auch Seelsorger im Gesundheitssystem in der Pflicht.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hat erneut die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung kritisiert. Für eine Neuregelung mahnte er klare Prinzipien an. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben erfahre eine "erstaunliche, aber meines Erachtens gefährliche Aufwertung", erklärte der Bischof laut einer Mitteilung des Bistums am Samstag anlässlich eines Ärztetages im Frankfurter Haus am Dom zum Thema "Assistierter Suizid".

Im Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung gekippt. Die Richter geben zudem dem Recht auf Suizid einen hohen Stellenwert: Selbsttötung sei Ausdruck von Selbstbestimmung. Dieses Recht schließe die Freiheit ein, auch die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. Die beiden großen Kirchen kritisieren das Urteil.

Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Archivbild)

"Ich frage mich: Dürfen Rechtstexte nicht nachdenklicher geschrieben sein?", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing.

Das Urteil erwecke den Eindruck, dass das Recht auf selbstbestimmtes Sterben in die "innerste Mitte der gesamten Architektur der Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Verfassung" führe, so Bätzing. "Ich frage mich: Dürfen Rechtstexte nicht nachdenklicher geschrieben sein?" Er befürchte, dass ein Paradigmenwechsel in der Gesellschaft bereits begonnen habe.

Bätzing betonte, es sei Aufgabe von Seelsorgern im Gesundheitssystem, Raum zu schaffen für die vielen Fragen, die hinter dem Ruf nach Hilfe stünden. "Damit versuchen wir, den Medizinerinnen und Pflegepersonen zur Seite zu stehen, die sich diesen Rufen ebenfalls stellen. Gerade im Bereich der Palliativmedizin kommen hier die verschiedenen Expertisen zusammen, um Patienten ganzheitlich zu begleiten." Das Anwachsen von Sterbevereinigungen auf der anderen Seite zeige, dass "christliche Spiritualität, die christlich motivierte ars vivendi und ars moriendi gesellschaftlich" neu verankert werden sollte.

"Gegenseitige Verantwortung der Lebensbejahung"

Die Kunst zu leben sei christlich gewendet immer eine Kunst des Zusammenlebens und der "gegenseitigen Verantwortung der Lebensbejahung", unterstrich Bätzing. Dies gelte es vorzuleben. Christen sollten dafür einstehen, dass sich der Wert einer Person nicht an ihrer Leistungsfähigkeit bemesse und dass Würde vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus reiche.

Bätzing dankte aus Anlass der Veranstaltung der Ärzteschaft für ihren Dienst in der Corona-Pandemie: "Sie, die Ärzte und Ärztinnen, waren von der ersten Stunde der Pandemie an im Rahmen Ihres Dienstes an der Seite der Hilfsbedürftigen und Verunsicherten, der Kranken und ihrer Angehörigen." (KNA)