Petition zur Aktion verzeichnet aktuell rund 111.000 Unterschriften

"Wichtiger Meilenstein" erreicht – "#OutInChurch" zieht Zwischenbilanz

Aktualisiert am 17.02.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Etwa die Hälfte der deutschen Bistümer will auf arbeitsrechtliche Konsequenzen für queere Mitarbeitende verzichten, im Internet gibt es schon über 100.000 Unterstützer: Doch ganz zufrieden ist die Initiative "#OutInChurch" noch nicht.

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Die Initiative "#OutInChurch" hat eine erste Zwischenbilanz zum Umgang mit kirchlichen Mitarbeitenden wegen ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität gezogen. Dass es in etwa der Hälfte der deutschen Bistümer keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für queere Mitarbeitende mehr geben solle, sei ein "wichtiger Meilenstein", erklärte die Initiative in einem am Donnerstag veröffentlichten Statement auf der Plattform change.org. Eine entsprechende Petition zur Aktion verzeichnet aktuell rund 111.000 Unterschriften.

Insgesamt 125 Kirchenmitarbeitende gaben sich im Januar im Rahmen der Initiative öffentlich als queer zu erkennen. Damit wurde eine Debatte um das kirchliche Arbeitsrecht ausgelöst. Die Kirche kann von ihren Mitarbeitenden sogenannte Loyalitätspflichten einfordern – so müssen zum Beispiel die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre anerkannt und beachtet werden. Menschen, die etwa in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben, kann somit gekündigt werden.

"Sektflaschen bleiben aber erstmal noch weiter in der Kühlung"

Seitdem mehren sich die Stimmen, die für eine Liberalisierung des Arbeitsrechts werben. Auch im Rahmen des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg wurde der Ruf nach Veränderungen lauter. Einige Bistümer verpflichteten sich selbst, keine dienstrechtlichen Schritte für queere Mitarbeitende vornehmen zu wollen. Zuletzt forderten elf Generalvikare entsprechende Konsequenzen sofort auszusetzen und das Arbeitsrecht zu reformieren.

Die Initiative stellt in ihrem Statement jedoch auch Nachholbedarf fest. Viele der positiven Reaktionen bezögen sich oft nur auf homosexuelle Menschen. Die Situation von Menschen, deren geschlechtliche Identität nicht gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen entspreche, werde jedoch kaum erwähnt: "Hier ist die Unsicherheit nach wie vor groß, denn die rechtliche Situation ist noch viel prekärer." Dazu müssten die Kirchenleitungen zeitnah ebenso Stellung nehmen und den Mitarbeitenden zusichern, dass sie aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben. "Wir haben in den letzten drei Wochen sehr viel bewirkt und erreicht. Die Sektflaschen bleiben aber erstmal noch weiter in der Kühlung." (tmg/KNA)