Kirchliche Gesetze trügen Schuld an "Eucharistielosigkeit" in Amazonien

Amazonasbischof Kräutler: Argumente gegen Frauenweihe überzeugen nicht

Aktualisiert am 24.02.2022  –  Lesedauer: 
Bischof Erwin Kräutler im Porträt.
Bild: © KNA

Berlin ‐ Erwin Kräutler war lange Zeit Bischof in Amazonien, einer Region, die sehr stark vom Priestermangel geprägt ist. Er sieht in den kirchlichen Gesetzen und päpstlichen Entscheidungen Gründe für die "Eucharistielosigkeit" des Gebiets.

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Amazonasbischof Erwin Kräutler hat die Argumente gegen die Priesterweihe von Frauen als unzureichend bezeichnet. Bis heute habe er keine überzeugende Antwort auf die Frage gehört, warum es keine Weihe von Frauen gebe, schreibt Kräutler in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" (März). Es mache ihn betroffen, dass Papst Johannes Paul II. 1994 erklärt habe, dass die Kirche keine Vollmacht besitze, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Da es sich bei dem Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" nicht um "Dogmenverkündigung" gehandelt habe, sei es jedoch erlaubt, die päpstliche Entscheidung zu hinterfragen.

Das Papstschreiben und die kirchliche Gesetzgebung zur Weihe von Frauen trügen die volle Verantwortung dafür, dass die Gläubigen in Amazonien unter "Eucharistielosigkeit" leiden, so Kräutler weiter. Die Region sei von einem massiven Priestermangel geprägt. Zwar gebe es "tausende christliche Gemeinden" im Amazonasgebiet, dich diese würden zuallermeist von Frauen und männlichen Laien geleitet. Einen Priester sähen die meisten Gläubigen nur ein- oder zweimal im Jahr. Deshalb blieben 95 Prozent der Gläubigen "ohne Krankensalbung und sterben ohne das Viaticum, die spirituelle Wegzehrung".

Pastorale Bedürfnisse der Gegenwart sehen

Mit Blick auf die Anfänge des Christentums sei "nicht wegzudiskutieren", dass Frauen Gemeindeleiterinnen waren, so der Amazonasbischof. Es sei zudem nicht erwiesen, dass in der Urkirche ausschließlich ein Mann der Eucharistie vorgestanden hätte. Die Evangelien seien zwar in einem "patriarchalischen Kulturraum" entstanden, "in dem die Frau eine dem Mann unterwürfige Rolle spielte". Doch im 21. Jahrhundert sei die Frau längst dem Mann gleichgestellt. "Haben sich die Evangelien im Laufe der zwei Jahrtausende nicht immer wieder in die jeweiligen Gesellschaften inkulturiert?" Dies könne heute im Hinblick auf die Frauenweihe geschehen. Bei dieser Frage gehe es "schlicht und einfach um die pastoralen Bedürfnisse unserer Zeit, nicht um Geschichtsschreibung", so Kräutler.

Der 82-jährige Bischof aus Österreich war von 1981 bis 2015 Oberhirte der Territorialprälatur Xingu im Amazonasgebiet Brasiliens. In der Vergangenheit hat er sich immer wieder für die Weihe von Frauen und verheirateten Männern ausgesprochen. (rom)