Sieben Minuten Läuten stehen für sieben Tage Krieg

Glockenläuten für Ukraine: Kirchen starten Solidaritätsaktion

Aktualisiert am 03.03.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Seit sieben Tagen herrscht Krieg in der Ukraine. Dazu wollen auch die Bauverantwortlichen der großen Kathedralkirchen Europas nicht schweigen und haben zu einer Aktion aufgerufen. Auch andere Religionsgemeinschaften zeigen ihre Solidarität.

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Verschiedene Religionsgemeinschaften haben ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekräftigt. So sollen in vielen Kirchen Europas am Donnerstagmittag die Glocken sieben Minuten lang für den Frieden läuten. Darunter sind die Dresdner Frauenkirche, der Naumburger Dom und der Wiener Stephansdom, wie die Europäische Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister am Mittwoch ankündigte. Jede Minute Läuten stehe für einen Tag seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Laut Pressemitteilungen der jeweiligen Bistümer wollen sich auch der Essener Domder Mainzer Dom und der Würzburger Kiliansdom an der Aktion beteiligen. 

"Wir, die Gemeinschaft der Bauverantwortlichen der großen Kathedral- und Domkirchen Europas von Norwegen bis Malta und von Spanien bis in die Ukraine, möchten zum Krieg in der Ukraine nicht schweigen", heißt es in dem Aufruf. "Mit diesem Läuten erklären wir uns solidarisch mit den Menschen, die diesen Krieg aushalten und um ihr Leben bangen müssen, die den Widerstand gegen eine Übermacht organisieren müssen, die vor dem Krieg fliehen müssen, die den Mut haben, gegen die Kriegstreiber in ihrem Land zu protestieren und die in den Ländern leben, die unmittelbar von diesem Krieg betroffen sind", so die Vereinigung.

Auch andere Solidaritätsaktionen der Religionsgemeinschaften

Im Zeichen der Verbundenheit mit der Ukraine steht auch eine Initiative des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zur Fastenzeit. Bis Ostern feiert täglich ein Vertreter der katholischen Kirche eines Landes einen Gottesdienst mit der Bitte um Frieden. Den Beginn macht nach alphabetischer Reihenfolge Albanien am Aschermittwoch. Für Deutschland wird am 14. März der stellvertretende Bischofskonferenz-Vorsitzende Franz-Josef Bode im Osnabrücker Dom einen Gottesdienst feiern.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) appellierte an den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., sich für ein Ende des Krieges einzusetzen. Kyrill solle bei den Behörden intervenieren und vermitteln, um diesen Krieg, das Blutvergießen und das Leiden zu beenden und sich um Frieden durch Dialog und Verhandlungen zu bemühen, heißt es in dem Brief an den Moskauer Patriarchen.

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Derweil riefen die deutschen katholischen Bischöfe zur Unterstützung für die Menschen in der Ukraine auf. "Öffnen wir Flüchtlingen unsere Türen und Herzen", forderte der Augsburger Bischof Bertram Meier. Er beging den Aschermittwoch gemeinsam mit seinem Amtsbruder für die katholischen Ukrainer des ostkirchlichen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sagte zu Aschermittwoch mit Blick auf den Krieg: "Wirklicher Friede erwächst aus einem echten Miteinander und aus Respekt vor der Andersheit der Mitmenschen, vor der Andersheit unserer nächsten Nachbarn".

Das päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not" rief Ordensgemeinschaften auf der ganzen Welt zum Gebet um Frieden auf. "Wir alle sind zum Gebet aufgerufen", sagte der geschäftsführende Präsident, Thomas Heine-Geldern. "Aber wir Katholiken wissen, dass die kontemplativen Orden unsere 'Elite-Einheiten' in Sachen Gebet sind."

Russisch-orthodoxe Gemeinde "bestürzt und fassungslos"

Ähnlich äußerte sich auch die Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Annette Kurschus. Der Friedensbeauftragte der EKD Friedrich Kramer und der Bischof für Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr, Bernhard Felmberg, verurteilten zudem den russischen Angriffskrieg und luden zu Friedensgebeten auch für die Menschen in Russland, die "sich für Versöhnung einsetzen" ein.

Die russisch-orthodoxe Mariä-Schutz-Gemeinde in Bonn zeigte sich "bestürzt und fassungslos" über die Ereignisse in der Ukraine. Bruderhass und Blutvergießen seien ein Werk des Bösen, erklärte Pfarrer Eugen Theodor. Ausdrücklich distanzierte er sich vom Vorgehen Wladimir Putins. "Wir wollen als russisch-orthodoxe christliche Gemeinde, nicht als 'Vertreter der Kreml-Politik' eingeordnet werden." Die Gemeinde beziehe keine finanzielle Hilfe von der russischen Regierung, sondern finanziere sich aus Spenden.

Das jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch in Berlin bereitet sich unterdessen auf die Aufnahme von 120 Kindern und deren Betreuern vor, die sie gemeinsam mit einem Rabbiner in Odessa aus einem jüdischen Waisenhaus evakuieren konnten. Die Kindergruppe wird am Donnerstag in Berlin erwartet. (cbr/KNA)