Weihbischof Steinhäuser vertritt Kardinal Woelki als Konzelebrant bei DBK-Messe

Kardinal Marx: Wahre Kirche ist mehr als dogmatisches Bekenntnis

Aktualisiert am 08.03.2022  –  Lesedauer: 

Vierzehnheiligen ‐ "Was nützt mir eine Einheit in der dogmatischen Erkenntnis, und in der Praxis wird eine Diktatur unterstützt, in der Praxis wird der Glaube benützt, um Menschen zu unterdrücken?", fragte Kardinal Marx seine Amtsbrüder bei der DBK-Vollversammlung.

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, im Ringen um die Zukunft der Kirche mehr den gelebten Glauben in den Mittelpunkt zu stellen. Es stelle sich die Frage, ob die wahre Kirche ein dogmatischer Text sei, "ein Bekenntnis, das ich unterschreibe? Oder ist es eine Lebenspraxis", sagte Marx am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Vierzehnheiligen. "Was nützt mir eine Einheit in der dogmatischen Erkenntnis, und in der Praxis wird eine Diktatur unterstützt, in der Praxis wird der Glaube benützt, um Menschen zu unterdrücken? Das ist doch keine Einheit", so der Erzbischof von München und Freising.

Jesus habe oft vom Reich Gottes in der Gegenwart, vom Leben auf der Erde gesprochen. Deshalb habe er jene ausgeschlossen, "die anderen sagen wollen, wie ihre Zugänge sein müssen, und die sie selber in der Hand halten", etwa Pharisäer, Schriftgelehrte und Priester. "Ich bin der Meinung, die Kirche hat das zu sehr vernachlässigt und immer wieder gesagt, das Reich Gottes ist das, was kommt, wenn wir tot sind", so Marx. In der Vergangenheit sei zu sehr um Worte gestritten worden und weniger um die Praxis des Glaubens.

Unter den Konzelebranten der Frühmesse war auch der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser anstelle des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. Während dessen fünfmonatiger Auszeit leitete Steinhäuser das Erzbistum Köln als Apostolischer Administrator. Die DBK-Frühjahrsvollversammlung im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen dauert bis Donnerstag. Kontroverse Debatten werden zum Reformprojekt Synodaler Weg erwartet, wenn es um die Frage geht, wie die Beschlüsse in den Bistümern realistisch umgesetzt werden können. Am Mittwoch will zudem die Initiative "#OutInChurch" eine Petition mit 110.000 Unterschriften zum Umgang mit queeren Beschäftigten übergeben. Ebenfalls Thema in Vierzehnheiligen sind die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und der Ukraine-Krieg. Auf dem Programm steht außerdem die Vorstellung eines Wortes der deutschen Bischöfe zur Seelsorge. (tmg/KNA)