Bischofskonferenz stellt neues Papier zur Pastoral vor

Deutsche Bischöfe: Missbrauch von Erwachsenen in der Seelsorge ahnden

Aktualisiert am 08.03.2022  –  Lesedauer: 

Vierzehnheiligen ‐ Nicht nur an Minderjährigen oder Schutzbefohlenen geschieht Missbrauch, sondern auch an Erwachsenen. Um einen besseren Umgang der Kirche mit diesem Thema auf den Weg zu bringen, haben die deutschen Bischöfe nun ein Wort zur Seelsorge vorgestellt.

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Die Bischöfe in Deutschland wollen sexualisierte Gewalt an Erwachsenen sanktionieren. Gefordert seien klare kirchen- und strafrechtliche Regelungen, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Dienstag in Vierzehnheiligen. "Das Bewusstsein, dass sexualisierte Gewalt durch Kleriker und andere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kirche auch nach der Volljährigkeit vorkommt und streng zu ahnden ist, muss in der Kirche weiterwachsen und ihre pastorale Praxis prägen", so der Vorsitzende der Pastoralkommission der deutschen Bischöfe. Seelsorge müsse ähnlich wie eine Beratungs- und Therapiesituation vonseiten des Gesetzgebers betrachtet werden. "Das ist nicht einfach eine nette Begegnung", so Kohlgraf. Nach dem Strafrecht sind bisher Missbrauchshandlungen an Erwachsensen etwa in einer medizinischen oder psychologischen Behandlung, nicht aber in einem seelsorgerlichem Verhältnis strafbar.

Kohlgraf äußerte sich mit Blick auf ein Papier mit dem Titel "In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche" zum Thema Pastoral. Es wurde bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Vierzehnheiligen vorgestellt. Kohlgraf forderte, auch in den Leitlinien der katholischen Kirche in Deutschland zum Umgang mit sexuellem Missbrauch Gewalt gegen Erwachsene klar zu regeln. Bisher sind dort nur Taten gegenüber Minderjährigen oder Schutzbefohlenen sanktioniert. "Natürlich müssen Schutzkonzepte nachgeschärft werden." Sexualisierte Gewalt gegenüber Erwachsenen müsse bei den zuständigen Staatsanwaltschaften wie auch innerkirchlich angezeigt werden, heißt es im Wort der Bischöfe.

Erstmals nimmt damit nach Aussage des Mainzer Bischofs eine Verlautbarung der Bischofskonferenz den sexuellen Missbrauch von Erwachsenen in den Blick. Dies gelte auch für den geistlichen Missbrauch. Es brauche diözesane Richtlinien zum Schutz vor solchen Taten in allen Seelsorgekontexten. "Wir stehen bei der Aufarbeitung geistlicher und sexualisierter Gewalt in der Frauen- und Männerseelsorge noch ganz am Anfang", sagte Kohlgraf.

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Das neue Wort der Bischöfe zur Seelsorge schließt zudem das Weiheamt der Frau nicht explizit aus. "Wenn es zu dieser Entscheidung käme, müsste das Papier nicht umgeschrieben werden", sagte Kohlgraf. In dem Text selbst ist lediglich von Seelsorgerinnen und Seelsorgern die Rede. Die Debatte um das Weiheamt wird darin nicht angesprochen.

Das Papier selbst wolle definieren, was die katholische Kirche unter Seelsorge verstehe. Das geschehe, um Partnerinnen und Partnern außerhalb der Kirche dies deutlich zu machen. Zudem solle das erste Wort der deutschen Bischöfe zum Thema Seelsorge helfen, Qualitätsstandards zu etablieren und deren Überprüfung zu ermöglichen.

In dem Schreiben widmen sich die Bischöfe auch den Veränderungen in der Seelsorge. So müsse Seelsorge heute auch andere Professionen, etwa aus der Sozialarbeit, einbeziehen und könne nur im Team geschehen, betonte der Fuldaer Bischof Michael Gerber. Er ist in der Bischofskonferenz der Vorsitzende für Geistliche Berufe. Diese Teams könnten auch von Frauen geleitet werden. "Im Team wächst so auch eine neue Kultur von Leitung in einer synodalen Kirche." Ebenfalls hervorgehoben werden ökumenische Kooperationen, wie es sie etwa schon bei der Telefonseelsorge gibt. Noch bis Donnerstag treffen sich 66 Bischöfe aus den 27 deutschen Diözesen auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im oberfränkischen Vierzehnheiligen. (rom/KNA/epd)

"In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche"

Unter folgendem Link können Sie das Wort der deutschen Bischöfe zur Seelsorge "In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche" online lesen oder als PDF-Datei herunterladen.